Überspringen zu Hauptinhalt

Reetdach trotzt den Küstenstürmen

Die Wärme und Geborgenheit eines schönen Reetdaches strahlt auf das gesamte Bauwerk aus (Foto: Ohm)

Das Reetdach nimmt sicherlich eine besondere Stellung innerhalb der technischen Lösungen mit Naturmaterialien ein. Es ist seit Jahrhunderten bewährt und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Das romantische, reetgedeckte Häuschen am Waldrand, das herrschaftliche Bauerngut mit seinen riesigen Speichern unter dem Reetdach erinnern an zahlreiche Romane, Bilder und Geschichten von Wikingerzeiten an bis in die heutigen Tage. Die Wärme und Geborgenheit eines schönen Reetdaches strahlt auf das gesamte Bauwerk aus – sicherlich ein Grund, warum viele Bauherren von einem reetgedeckten Heim träumen.

Die Reetdeckung hat regional große Bedeutung für die Pflege des Brauchtums und ist eng mit echter traditioneller Handwerkskunst des Dachdeckers verbunden. Reetdächer findet man vorwiegend in Norddeutschland.

Die heftigen Küstenstürme verlangten eine elastische, wetterfeste und regensichere Dachkonstruktion. Der biegsame, röhrenartig hohle und konisch wachsende Reethalm, der in seinem unteren Bereich von Wachstumsknoten gestützt wird, ist von der Natur mit den dafür notwendigen konstruktiven Merkmalen ausgestattet. Durch das Wissen und Können des Dachdeckers entsteht aus Reet ein langlebiges Dach, das alle die geforderten Eigenschaften erfüllt.

Seit einigen Jahren wird daher im Zuge der Rückbesinnung auf natürliche Baustoffe und kulturelle Werte dem Reet als Bedachungsalternative eine immer größere Bedeutung eingeräumt.

Die neu erwachte Liebe zum Reetdach, die bei der Sanierung von bestehenden Gebäuden, aber auch bei der Eindeckung von Neubauten sichtbar wird, ist ein Teil des Entwicklungsprozesses in unserer Gesellschaft. Es sind verschiedene Wurzeln, die diese Entwicklung vorantreiben: die Denkmalpflege zur Erhaltung der Werte unserer Vergangenheit, die Vorzüge im Wohnklima und das Wohlbefinden durch sichtbare Ästhetik, die Ökologie und der Umweltschutz im Sinne der Nachhaltigkeit von Baustoffen – insgesamt Ausdruck einer Verantwortung für zukünftige Generationen.

Die bauphysikalischen Vorzüge des Reetdaches sind in erster Linie in der speziellen Bauweise der einzelnen Halme begründet, bei der sich auf engem Raum unterschiedliche Stoffe, nämlich Luft und Pflanzenteile, abwechseln. Dieses ermöglicht gleichzeitig einen dichten und trotzdem diffusionsoffenen Dachaufbau. Es kommt zu keiner Tauwasserbildung.

Reetdächer sind durch ihren hohen Anteil an Luft schlechte Wärmeleiter. Das Innere eines reetgedeckten Hauses ist daher vor extremen Temperaturschwankungen, die im Tag-Nacht-Wechsel auftreten, bestens geschützt. Im Winter ist es mollig warm und im Sommer angenehm kühl.

Die Dachdeckung mit Reet durch den Reetdachdecker ist auch heute noch Handwerkskunst pur. Das Reet wird z.B. durch Nähen, Binden oder Schrauben an der gerundeten Lattung Bündel für Bündel befestigt und sorgfältig mit dem Klopfbrett in Form getrieben.

Das Wissen um diese traditionelle Handarbeit wird von erfahrenen Dachdeckermeistern an nachfolgende Generationen weitergegeben. Diese Unterweisung wird durch den Ausbildungsgang zum Reetdachdecker vorbereitet, der sich auf Basis der Grundfertigkeiten rund um die Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik im dritten Lehrjahr ausschließlich dem reetgedeckten Dach widmet.



An den Anfang scrollen