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Lehmwände zur Feuchte-Regulierung

In der lebhaft geführten Debatte um ökologisches Bauen wird diese allzu häufig auf den zweifellos wichtigen Gesichtspunkt des Energiesparens verengt.

Ökologisches Bauen ist weitaus mehr als nur Energiesparen

Soweit die Frage der Wohngesundheit betrachtet wird, richtet sich das Augenmerk vorrangig auf das Vermeiden von krankheitsauslösenden Schadstoffen wie Formaldehyd, Lösungsmittel oder Schwermetalle.

Die positive Strategie zur Schaffung eines gesundheitsförderlichen Raumklimas durch bewusste Auswahl der Baustoffe wird noch zu selten verfolgt. Dabei bergen gerade die modernen Bauten einige nicht zu unterschätzende Gefahren für ihre Bewohner.

Luftdichte Gebäude
Der früher durch Undichtigkeiten (z.B. an Türen und Fenstern) gewährleistete ständige Luftaustausch im Gebäude wird heute durch aufwendige Luftdichtungsmaßnahmen unterbunden. Was aus energetischen Gründen sinnvoll sein mag, hat aber seine nachteiligen Folgen für den Feuchtehaushalt. Dem muss durch diffusionsoffene Konstruktionen und kostenträchtige Belüftungssysteme begegnet werden.

Verdunstungsfeuchte
In jedem Haus ergeben sich abwechselnd Phasen zu feuchter und zu trockener Raumluft. Feuchte Raumluft entsteht durch Aufstau der Verdunstungsfeuchte, welche durch unser Atmen und Schwitzen ebenso entsteht wie durch Kochen, Waschen oder Duschen. Bei einer vierköpfigen Familie können das 10 bis 15 Liter am Tag sein.

Zu trockene Raumluft
Zu trockene Luft entsteht vor allem im Winter, wenn kalte Luft beim Lüften in die Wohnung gelangt und aufgeheizt wird. Dabei sinkt die relative Luftfeuchte und die Luft wird als schlecht empfunden. Ein erneutes Lüften wiederholt diesen Vorgang und die Raumluftfeuchte sinkt weiter ab. Die trockene Luft führt zum Austrocknen der für die Infektabwehr zuständigen Schleimhäute im Hals- und Bronchialtrakt und gleichzeitig zu erhöhter Staubbelastung der Luft. Mit diesen Stäuben werden wiederum Krankheitserreger und allergene Stoffe wie der Kot der Hausstaubmilbe transportiert.

Schimmel und Allergien
Zu feuchte Raumluft führt an den in jedem Bau unvermeidlichen Wärmebrücken zur Kondensation und schafft damit die Voraussetzung für die Schimmelbildung. Statistiken besagen, dass in Deutschland annähernd ein Viertel der Bevölkerung an Allergien leidet (Anteil bei den Kindern bereits 33%) und 60 Prozent aller Allergien als Überempfindlichkeits-Reaktion auf Schimmelpilzsporen und Hausstaub zurückzuführen sind.

Lehm als Feuchtepuffer
Daraus ergibt sich die Forderung nach Baustoffen, welche zwischen Feuchteüberschuss und Feuchtebedarf eine Pufferung gewähren. Der Baustoff, der dieses Pufferungsvermögen in überragendem Maße besitzt ist der altbekannte Lehm. Bei hoher Luftfeuchte kann er sehr große Mengen an Wasser aufnehmen, ohne dabei nass oder instabil zu werden. Aus diesem Speicher kann über eine lange Heizperiode hin wieder Feuchtigkeit an den Raum zurückgegeben werden, was verhindert, dass die Raumluftfeuchte auf unter 50 Prozent absinkt.

Großformatige Bauplatte
Vor allem wegen dieser einmaligen Eigenschaft erlebt der Lehmbau in Deutschland seit einigen Jahren wieder eine Renaissance. Trotz der allgemein anerkannten baubiologischen Vorzüge konnte er im konventionellen Baubereich noch keine nennenswerten Marktanteile erringen.
Nun ist es mit der Lehmbauplatte gelungen, einen großformatigen Lehmbaustein industriell zu fertigen, der aufgrund seiner Maßhaltigkeit und einfachen Verarbeitung das Zeug dazu besitzt, auch in ganz konventionelle Bereiche vorzudringen.

Leichte Verarbeitung
Die Karphosit-Lehmbauplatten mit einem Deckmaß von 50 x 25 cm und einer Plattenstärke von 10 cm sind vielseitig einsetzbar und leicht zu verarbeiten. Der Zuschnitt erfolgt mit normalen Baukreissägen. Beim Setzen der Platten in Nut und Feder werden diese lediglich verklebt. Installationsschlitze lassen sich mühelos mit der Fräse herstellen. Als nichttragende Innenwände bieten sie laut Hersteller einen hervorragenden Schallschutz und sind eine Alternative zu herkömmlichem Mauerwerk oder Gasbeton und (wegen des relativ geringen Flächengewichtes von ca. 90 kg/m²) auch eine Alternative zum Trockenbau.

Geeignet für Holzhäuser
Im modernen Holzrahmenbau wird die Lehmbauplatte zusätzlich als Innenschale eingesetzt, um Speichermasse in die Außenwände zu bringen. Auch als Deckeneinschub auf oder in Holzbalkendecken sowie als Trockenestrich finden die Lehmbauplatten Verwendung. Im Altbau kommt die Lehmbauplatte insbesondere zur Verstärkung ungenügend gedämmter Außenwände zum Einsatz.
Inzwischen ist die Lehmbauplatte seit drei Jahren auf dem Markt und hat sich etabliert. Das System ist soweit ausgereift, dass sich bereits einige Baufirmen auf die Verarbeitung spezialisiert haben. Auch in Schleswig-Holstein sind schon einige Wohnhäuser in der neuen Lehmbauweise erstellt worden.

Broschüre bestellen
In der Broschüre “Krank in den eigenen Wänden?” schildern ein Arzt und ein Architekt die Bedingungen, die durch alltägliche Bausituationen zu Schimmelbildung führen kann. Sie kann gegen eine Schutzgebühr von zehn Mark angefordert werden unter Telefon 038451/70707.

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