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Komplett umgekrempelte Wohnebene

DiesterwegstraßeEnergetische Modernisierung eines 20er-Jahre Reihenendhauses in Kiel-Süd

Klassischer Backstein ist schön – aber nicht so schön, dass man über ein klammes Bad, einen feuchten Keller und einen verbauten Eingang hinwegsehen könnte. Die Probleme der Bauherren mit ihrem 2000 erworbenen Haus löste die Architektin Dr. Astrid Holz mit einem modernen Anbau.

Das Reihenendhaus gehört zu einer Hausgruppe aus den 1920er-Jahren in Kiel, das im Krieg durch einen Bombentreffer teilzerstört und mit den denkmalpflegerischen Vorgaben der Stadt Kiel in der 1950er-Jahren nach alten Vorlagen wieder aufgebaut wurde. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, ist aber Teil eines ästhetisch gleichartig gestalteten Ensembles im weiteren Umgebungsbereich des ehemaligen Lehrerseminars in der Diesterwegstraße. Darauf sollte das neue Erscheinungsbild Bezug nehmen, ohne jedoch zu historisieren. “So kam die Wahl auf einen ausgewogen und zurückhaltend gestalteten Baukörper im Sinne der klassischen Moderne,” sagt die Architektin. “Die Proportionen des Neubaus, die Materialwahl und die Farbgestaltung wurden in vielen Gesprächen gemeinsam mit den Bauherren entwickelt.”
Modernes Wohnen findet sich auch im Inneren wieder. Der ursprünglich kleine und wenig ansprechende Eingang wurde in den Anbau verlegt und bietet nun in ein freundliches, großzügiges Entrée. Im Anbau befindet sich auch das neue geräumige Badezimmer. Ein offener Durchgang führt in die große Wohnküche, die das gesamte Erdgeschoss des Altbaus einnimmt.
Das Haus ist durch den Umbau auch energetisch im 21. Jahrhundert angekommen, denn auch die Heizungsanlage wurde modernisiert, die Fenster ausgetauscht und die Drainage erneuert.
Herausgekommen ist ein sehr individuelles und – zur Verwunderung manch ausführender Handwerker – sehr unkonventionell geplantes Wohngebäude, das dem allerneuesten Stand der Technik entspricht.
Begonnen hatte die konkrete Planung mit einem Energieausweis der dena. Sozusagen als Pioniere nahmen die Bauherren bereits an einem der Gesetzgebung voran geschalteten Feldversuch in Schleswig-Holstein teil. Mit einem ganz speziell für dieses Gebäude entwickelten Modernisierungsvorschlag wurde hier vorab die energetische Effizienz der einzusetzenden Mittel anhand der einzeln angeführten Maßnahmen geprüft.
Die Realisierung wurde dann viel umfangreicher als hier angedacht, denn – nach dem Motto “Wenn schon, denn schon” wurde das Erdgeschoss nach den sehr eigenständigen Vorstellungen der Eigentümer komplett umgekrempelt.
Die ehemalige Außenfassade der Giebelseite wurde im neuen Eingangsbereich sichtbar gelassen, so dass man den Altbau auch im Inneren visuell und haptisch erleben kann. Die neue große Wohnküche empfängt den Besucher und lädt Gäste zum Verweilen ein. Die alte Küche im Durchgang des Altbaus ist zum Gartenzimmer umfunktioniert worden.
Keller, Geschossdecke und Wände sind nachträglich gedämmt worden. Das Drinnen und das Draußen verschneiden sich immer wieder durch die unterschiedlichen Blickbeziehungen in den blumenreichen verwunschenen Garten.
Einmal auf der Erdgeschossebene angekommen, sind alle Räume einschließlich der Terrasse auf eine Gehhöhe (statt vorher vier verschiedener) ausnivelliert. Vorausschauend wurde das neue Badezimmer so gebaut, dass es (im Falle eines Falles) auch rollstuhlgerecht genutzt werden könnte.
Die Heizungsanlage wurde mit einem Brennwertkessel verbunden mit technisch-adäquaten Neuerungen und Ergänzungen auf den neuesten Stand gebracht. Das energetische Ergebnis kann sich nun in jeder Hinsicht sehen lassen. Vom kostenintensiven “altbautypisch” ist das Reihenendhaus in den energie-effizienten Neubaustandard mutiert – da soll noch mal einer sagen, bauen lohnt sich nicht.
Auf der Einladung zum “Tag des offenen Anbaus” heißt es demzufolge auch: “Wir sind fast fertig mit dem Bauen und den Nerven, aber glücklich!!!”

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