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„Gedämmte Häuser Können Nicht Atmen“ Und Weitere Vorurteile

„Gedämmte Häuser können nicht atmen“ und weitere Vorurteile

ANZEIGE Durch Unwissen, aber auch durch die Verbreitung falscher Tatsachen, entstehen häufig Vorurteile und Ängste rund um das Thema Wärmedämmung. Mit einer Auswahl an Fragen an die Architektin und Energieberaterin Dipl.-Ing. Arch. Petra Merten (ZEBAU GmbH aus Hamburg), räumen wir mit diesen Vorurteilen auf.

Führen Dämmmaßnahmen zu messbaren Energieeinsparungen und sind sie wirtschaftlich sinnvoll?
Maßnahmen, die den Energieaufwand eines Gebäudes verringern, sind natürlich immer mit Kosten verbunden. Um die Wirtschaftlichkeit von Dämmmaßnahmen zu garantieren, sollten einige Voraussetzungen geschaffen werden. Energetische Modernisierungsmaßnahmen sollten – wenn möglich – mit ohnehin anstehenden Instandhaltungsmaßnahmen kombiniert werden.

Wenn beispielsweise die Dachdeckung nicht mehr intakt ist und Feuchtigkeit eindringt oder ein Dachausbau von innen erfolgen soll, dann ist das der richtige Zeitpunkt, eine energetische Maßnahme am Dach vorzunehmen. Denn die Instandhaltungskosten für die Dachdeckung, Klempnerarbeiten oder die Gerüststellung sind der größere wirtschaftliche Faktor bei einer Modernisierung. Die Kosten für die Dämmung betragen in solchen Fällen nur zirka ein Drittel der aufzuwendenden Mittel.

Wenn man sich verschiedene Dämmmaßnahmen anschaut, sind die Amortisationszeiten je nach modernisiertem Bauteil sehr unterschiedlich: Die Dämmung einer Kellerdecke amortisiert sich relativ schnell, d.h. die Einsparung durch geringere Energiekosten gleicht die investierten Ausgaben in kürzerer Zeit aus als die Dämmung einer Außenfassade mit einem Wärmedämmverbundsystem.

Die genauen Amortisationszeiten jeder Maßnahme kann man von einem Energieberater genau berechnen lassen. Dieser rechnet die gesamten Aufwendungskosten zusammen und zieht die Kosten für energetische Modernisierungsmaßnahmen ab, um diese den Einsparungen gegenüberzustellen. Daraus ergeben sich dann die berechneten Amortisationszeiten, die angeben, wie lange es dauert, bis ich den ausgegebenen monetären Betrag durch Energieeinsparung wieder gutgeschrieben habe.

Wenn also eine Dämmmaßnahme wirtschaftlich sein soll, sollte man sie immer von einem Fachplaner begleiten lassen. Dieser kann einen soliden Budgetplan erstellen, in den Förderungen durch die Stadt oder den Bund mit einfließen. Die Deutsche-Energie-Agentur GmbH (dena), bietet auf ihrer Homepage eine bundesweite Liste von Fachplanern an, die Energieeffizienz–Expertenliste. Dort findet man über eine Suchmaschine Fachplaner in seiner Region, die in den Förderprogrammen des Bundes zur Energieeffizienz in Wohngebäuden tätig sind.

Grundsätzlich ist es bei einer Modernisierung von Gebäudeteilen sehr ratsam, die geplanten Maßnahmen aufeinander abzustimmen und sich einen Zeitplan für die Modernisierung seines bestehenden Gebäudes vom Berater erstellen zu lassen, einen so genannten Sanierungsfahrplan. Dadurch spart man eine Menge Kosten und kann wirtschaftlich sinnvoll planen, welche Sanierungsmaßnahmen in den kommenden Jahrzehnten auf einen zukommen.

Verursachen Dämmsysteme (vermehrt) Schimmel?
Grundsätzlich beugt Dämmung Schimmelbildung vor. Wenn eine Wand nicht gedämmt ist, kann an der kalten Innenseite der Wand Feuchtigkeit kondensieren; das heißt, die in der warmen Luft gebundene Feuchtigkeit des Innenraums kondensiert an der kalten Wand. Die durch die Kondensation entstandene Feuchtigkeit führt dauerhaft zu Schimmelbildung.

In Ecken von Außenwänden gibt es aus diesem Grund besonders oft Schimmelbildung. Denn die Ecke einer Fassadenwand hat außen eine großflächige kalte Wand, die kältere Temperaturen in den Innenecken verursacht. Direkt in der Innenecke ist die Wand dann so kalt, dass Feuchtigkeit entsteht. Wenn die Ecke dann noch mit Möbeln zugestellt ist, kann die Feuchtigkeit nicht mehr abgelüftet werden. Bei einer gedämmten Wand kann dieses nicht passieren, weil die Temperatur an den Innenoberflächen der Außenwände nicht so weit abfällt, dass Tauwasser anfallen kann.

Es gibt aber auch andere Bereiche, wie z.B. ungedämmte Fensterstürze, ungedämmte Rolladenkästen, einbindende Balkonplatten etc., an denen sich bei ungedämmten Gebäuden leicht Feuchtigkeit bildet. Für den Einbau einer neuen Dämmung sollte man als Hausbesitzer darauf achten, dass es keine Lücken z.B. an Bauteilanschlüssen oder –übergängen in der Dämmung gibt, sonst besteht die Gefahr, dass sich an diesen Lücken immer wieder Feuchtigkeit bildet und man erneut mit dem Schimmelproblem konfrontiert wird. Deshalb sollte man immer einen Fachplaner hinzuziehen, der Lücken in der Dämmung ausschließt.

Was sind die Gefahren, wenn ich in einem bestehenden Gebäude oder im Neubau Dämmungen einbauen lasse?
Ein Neubau ist luftdicht gebaut, um Energieverlust zu vermeiden. Dass das Haus luftdicht ist, liegt nicht an der eingebauten Dämmung, sondern daran, dass neue Fenster oder ein neuer Dachaufbau luftdicht erstellt werden, um einen unkontrollierten Luftaustausch der warmen Innenluft mit der kalten Außenluft zu verhindern. Es fehlt der Feuchtigkeitsaustausch mit der Außenluft, der zum Beispiel durch undichte Fensterfugen oder eine luftige Dachdeckung entsteht.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, sich zu überlegen, wie nach der Modernisierung der Luftwechsel mit der Außenluft gewährleistet werden kann. Im Rahmen einer energetischen Modernisierung sollte man sich vom Fachplaner ein Lüftungskonzept erstellen lassen, damit ein regelmäßiger Luftaustausch zwischen der Raumluft und der Außenluft gewährleistet ist.

Ist die Fassade durch Dämmungen leichter entflammbar?
In den Medien gibt es häufig Berichte über Hausbrände, die mit einer Fassadendämmung aus Polystyerol zusammenhängen. Bei diesen Ereignissen kam der Brandherd in der Regel von außen – durch brennende Müllcontainer, Motorräder oder Autos. Hausbesitzer, die eine Dämmung der Fassade planen, sollten sich durch solche Medienberichte nicht verunsichern lassen.

Die Bauministerkonferenz hat 2015 bestätigt, dass entsprechend der Zulassung hergestellte Wärmedämmverbundsysteme keine erhöhte Brandgefahr auslösen. Bei schwer entflammbaren Wärmedämmverbundsystemen mit Polystyerol gibt es brandschutztechnische Verbesserungen. Dazu gehört der Einsatz von Brandriegeln. Diese begrenzen eine Brandausbreitung im Falle einer Brandlast von außen. Die Vorschriften für Brandriegel sind Anfang des Jahres 2016 durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) verschärft worden. Wer trotzdem noch Bedenken hat, kann seine Fassade auch mit hundert Prozent nicht-brennbaren Dämmstoffen wie Mineralwolle dämmen.

Entstehen Algen- und andere Grünbeläge vermehrt durch Dämmungen auf Außenfassaden?

Algen- und Grünbeläge entstehen immer dann, wenn Fassadenoberflächen kalt sind, sodass Feuchtigkeit kondensiert. Man findet Algen nicht nur auf gedämmten und verputzten Fassaden, sondern auch auf Vorhangfassaden und ungedämmten kalten Mauerwerksteilen. Entscheidend für eine Algenbildung ist, dass an der Fassade dauerhaft Feuchtigkeit vorhanden ist. An einer Fassade entstehen grüne Beläge häufig dann, wenn einige Bedingungen gegeben sind: rauer Putz, Grünbestand in näherer Umgebung (Bäume etc.) und wenig Sonne, die auf die Fassaden scheint. Deshalb sind Nordseiten wesentlich anfälliger für Grünbeläge als Südseiten eines Gebäudes.

Um eine Algenbildung zu verhindern, sollte dauerhafte Feuchtigkeit auf der Fassade vermieden werden. Durch einen Überstand über der Fassade oder ein umlaufendes Kiesbett im Sockelbereich, das Spritzwasser vermeidet, kann dieses erreicht werden. Zudem sollte Baumbestand nicht zu nah an der Fassade stehen. Putzoberflächen sollten nicht zu rau sein (eine geringere Körnung haben), Oberputze sollten möglichst dick sein und Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können.

Durch eine spezielle Putzzusammensetzung kann das Wachstum von Algen wirksam eingedämmt werden. Auf Produkte mit umweltschädigenden Bioziden (chemische Algenschutzmittel) sollten Hausbesitzer verzichten, da diese mit der Zeit auswaschen, und die Umwelt schädigen. Inzwischen gibt es viele rein mineralische Putze, die mit einem hydroaktiven Aufbau das Abtrocknen der Fassade erleichtern und damit damit auf natürliche Weise Algenbewuchs verhindern.

Foto: ©ZEBAU

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