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Vorbildhafte Umnutzung alter Gebäude

 Das frühklassizistische Gebäude in seiner ursprünglichen Nutzung als Wohngebäude reaktiviert (Foto: Schümann/Sunder-Plassmann)

Die KfW Bankengruppe hat die Gewinner des jährlich ausgeschriebenen KfW-Awards „Bauen und Wohnen“ ausgezeichnet. Gesucht waren Bauherren, die mit unkonventionellen Ideen aus ungenutzten Flächen und leerstehenden Gebäuden in zentraler Lage individuellen und zugleich energieeffizienten Wohnraum geschaffen haben.

Die Preisträger wurden von der Jury aus 164 Bewerbungen ausgewählt und mit einem Preisgeld von insgesamt 31.500 Euro belohnt. In Anwesenheit des Staatssekretärs des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung übergab Werner Genter, Bereichsleiter der KfW, die Awards an die Preisträger. „Die Gewinner haben mit ihren prämierten Projekten städtebaulich, aber auch energetisch wegweisende Lösungen umgesetzt. Dadurch wurden attraktive neue Wohnräume geschaffen, öffentliche Räume wieder neu belebt und ein Beitrag zum gesellschaftlichen Nutzen geleistet“, sagte Herr Genter.

Staatssekretär Rainer Bomba hob hervor: „Die KfW hat mit dem diesjährigen Award ein aktuelles Thema aufgegriffen – Vorhandenes umbauen und den Bestand wiederbeleben. Vorhandenes nutzen und weiterentwickeln, das schont unsere Ressourcen, belebt den Ort und gibt ihm Identität zurück. Junge Familien können bestehende Gebäude für ihre Wohnbedürfnisse passgenau umgestalten. Die Teilnehmer des KfW-Awards stehen für ein modernes Lebensmodell. Sie gestalten die Stadt von morgen.“

Barrierearme Wohneinheiten
Der dritte Preis des bundesweiten Wettbewerbs wandert nach Schleswig-Holstein. Die Bauherrengruppe der Lübecker Königstrasse 15 hat ein altes Schulhaus vorbildlich saniert. Dadurch entstanden barrierearme Wohneinheiten, ein gemeinnütziges Café und der Zugang zum Bürgergarten.

„Eine vorbildhafte Umnutzung, die in hohem Maße gesellschaftlichen Nutzen und Traditionstreue verkörpert“, lobt die Jury. Den mit 4.000 Euro dotierten Preis erhält die Lübecker KÖ-15 GbR. Die Bauherren haben ein zuvor als Schulgebäude genutztes Haus vorbildlich in ein Mehrfamilienhaus mit zehn generationengerechten Wohneinheiten umgestaltet und dabei gleichzeitig ein modernes Energiekonzept realisiert. Beispielhaft ist zudem, wie liebevoll sie ein Café für körperlich Behinderte in das Projekt integriert haben.

Generell wird deutlich, dass Tradition für die Bauherren sehr wichtig ist. Das Gebäude wurde mit dem Anspruch wiederbelebt, seine ursprüngliche Nutzung als Wohngebäude wiederherzustellen und es als aktiven Baustein nachhaltig in der Altstadt zu verankern. Durch eine detailgetreue Rekonstruktion ist ihnen die Wiederherstellung der historischen Fassaden gelungen. Zudem wurden kreativ und liebevoll die ehemaligen Klassenräume in loftartige Atelierwohnungen und die Turnhalle in eine Maisonettewohnung umgewandelt.

Altes Gebäude wiederbelebt
Das Grundstück Königstrasse 15 liegt inmitten des UNESCO-Weltkulturerbes und in guter Nachbarschaft zum „geistigen Zentrum“ der Lübecker Altstadt. Das großbürgerliche Wohnhaus aus dem Frühklassizismus wurde im 19. Jahrhundert leidlich zu einem Schulhaus umgebaut und bis 2007 als solches genutzt. Die leerstehende Immobilie wurde in einem öffentlichen Verfahren von der Stadt veräußert.

Vier engagierte Lübecker Ehepaare haben sie entdeckt und schlossen sich zu einer Gesellschaft zusammen, um das Haus zu erwerben. Das gemeinsame Ziel war und ist es, dieses Schmuckstück zu einer generationsübergreifenden Wohnform im Spannungsfeld des Lübecker Kulturquartiers umzugestalten. Das denkmalgeschützte Haus bekam eine zeitgemäße Ausstattung und ein höchst modernes Energiekonzept, das thermische Behaglichkeit bei niedrigem Energieverbrauch sicherstellt. Um die Wohnungen barrierefrei zu erschließen, ist ein Fahrstuhl notwendig, der unter Schlichtung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegenüber der Lübecker Denkmalpflege durchgesetzt werden konnte.

Das ganze Erdgeschoss sowie der Garten sind öffentlich zugänglich. So ist die in der Stadt lang ersehnte Vernetzung der benachbarten Museen und Kultureinrichtungen untereinander als sogenannte „Bürgergärten“ endlich möglich geworden. Die Diele beherbergt neben der Erschließung der Wohnungen ein Museumscafé mit dem Ziel der Integration von körperlich Behinderten in den Arbeitsmarkt.

Den zweiten Preis des KfW Awards verdienten sich die Erben der alten Mühle bei Friedrichshafen. Sie modernisierten Mühlen- und Stallgebäude und haben Wohn-, Büro- und Werkstatträume mit modernster Informationstechnik für die Dorfgemeinschaft geschaffen. Der erste Preis geht dieses Jahr an Claudia Cappeller, die den historischen Getreidespeicher am Domplatz von Halle (Saale) energieeffizient saniert. Wo einst Getreide lagerte, entstehen nun sieben unkonventionelle Wohnungen. Zu der Fachjury unter dem Vorsitz von Prof. Hans Kollhoff gehörten Stadtentwickler und Energieexperten, Architekten sowie Vertreter aus der Bau – und Wohnwirtschaft, Medien und der KfW an. Als einen der größten Förderer von privatem Wohneigentum sowie Energieeffizienz und Barrierereduzierung in Wohngebäuden hatte die KfW im Jahr 2003 den Wettbewerb „Bauen und Wohnen“ eingeführt.

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