Voll auf die Sonne ausgerichtet

RührmannDer Wunsch des Bauherrn nach einem Passivhaus war schon gereift, bevor ein passendes Grundstück gefunden wurde.

Inzwischen geht der Trend von den reinen Passivhäusern zu Nullenergie- bzw. zu Plusenergiehäusern. Problematisch ist dabei jedoch häufig, wenn eine thermische Solaranlage für die Warmwasserbereitung und die Heizungsunterstützung mit einer Photovoltaikanlage um die gleichen Flächen konkurriert. Als Folge werden oft unschöne Kompromisse geschlossen.
In diesem Fall konnte aber durch eine besondere Konstruktion das ganze Süddach mit einer PV-Anlage belegt werden, da die thermischen Kollektoren als Vordach auf eine eigene vorgeständerte Stahlkonstruktion montiert wurden. Statt Geld für den Sonnenschutz auszugeben, wurde es direkt in die Sonnenenergie investiert.
“Passivhäuser können ganz unterschiedlich aussehen. Aber bei den freistehenden Wohnhäusern mit bis zu zwei Wohneinheiten kann man die Südseite auch ohne Sonnenschein erkennen”, sagt Planer Jens Rühmann. “Da das Fenster der preiswerteste Sonnenkollektor ist, sind Passivhäuser nach Süden ausgerichtet.” So wurden im Erdgeschoss die Wohn-, Ess- und Küchenbereiche nach Süden geplant und haben jeweils einen Ausgang zum Garten erhalten.
Im Obergeschoss sind zwei Kinderzimmer, ein Schlafzimmer und ein Bad über die Giebelwände nach Osten bzw. Westen ausgerichtet. Im Norden befindet sich der Hauswirtschaftsraum mit der Lüftungsanlage und ein Anbau, der mit einem Haustechnik- und Abstellraum als ein unbeheizter Pufferraum dient. Die EG- und OG-Flure werden über den Treppenaufgang zum Dachgeschoss belichtet.
Der Massivbau ist hauptsächlich als zweischaliges Mauerwerk mit 20 cm Kerndämmung ausgeführt. Die Giebelseiten ragen als haushohe Flächen mit Wärmedämmverbundsystem und 30 cm Dämmstärke in die Höhe. Die Pultwand wurde als Holzrahmenbau ebenfalls mit einer Putzfassade versehen.
Besonders sorgfältig wurde der Einbau der Holz-Alufenster geplant, die mit einer zusätzlichen Blendrahmenüberdämmung von 30 mm zum Verblendmauerwerk ausgeführt wurden, um so eine “traditionelle” Wärmebrücke zu entschärfen.
Ansonsten hat diese Passivhaus, was alle anderen Passivhäuser auch haben: gute Fenster mit Dreischeiben-Wärmeschutzglas, eine effiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und neben den Fenstern auch alle anderen Anschlüsse und Übergänge wärmebrückenarm konstruiert.
Ein besonderes Augenmerk sollte bei Passivhäusern immer auf die Qualitätssicherung während der Bauphase gelegt werden, da Fehler in der Bauausführung später nur noch schwer nachgewiesen und behoben werden können.

Jens Rühmann
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