Pro & Kontra Ausbauhäuser
Hohe Bau- und Grundstückskosten sind häufig die Faktoren an denen der Traum von den eigenen vier Wänden scheitert. Eine kostengünstige Alternative sind Roh- und Ausbauhäuser. Das Konzept ist einfach und beruht auf dem Gedanken, dass Bauherren, denen das Geld für ein schlüsselfertiges Haus fehlt, den Innenausbau selbst machen oder zumindest mit anpacken. Fehlendes Baugeld wird also durch die “Muskelhypothek” ersetzt, die teure Handwerkerlöhne einspart.
Stiftung Warentest rät zum Abwägen der Vor- und Nachteile:
Glückliche Familien vor schönen Häusern, das ist das Bild das uns die Prospekte der Anbieter von Roh- und Ausbauhäusern zeigen. Doch Branchenkenner warnen: So einfach, wie manche Werbung uns glauben machen will, ist der Hausbau nicht.
Bereits bei der Unterscheidung der verschiedenen Typen von Häusern gibt es große Unterschiede. “Als Rohbauhaus wird in der Regel der Rohbau mit Dachstuhl, Unterdach und Klempnerarbeiten angeboten. Es fehlt die Wärmedämmung im Dach und teilweise die Wärmedämmung in der Außenwand. Auch Innenwände sind nicht vorhanden und manchmal müssen auch noch Geschossdecken geschlossen werden,” so die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände.
Ausbauhäuser hingegen enthalten weitere Bauleistungen. Normalerweise umfasst die Errichtung die Tragekonstruktion sowie die wetterfeste und abschließbare Gebäudehülle. Das bedeutet, die Außenwände inklusive Wärmedämmung, mit oder ohne Putz, eingesetzte Fenster und ein geschlossenes Dach. Der Leistungsumfang dieser beiden Ausbaustufen ist allerdings von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich.
Das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten ist das größte Risiko bei einem Mitbauhaus. Stiftung Warentest rät eindringlich, “sehr sorgfältig” zu prüfen, ob man solch eine Belastung auf sich nehmen wolle und ob die nötigen handwerklichen Fähigkeiten vorhanden sind. Nicht jeder ist dazu geeignet und übersteht die anfallenden Probleme ohne weiteres. Das schönste Haus ist nichts wert, wenn man nach der Fertigstellung krank ist oder die Eigenleistung dann doch nicht erbringen kann und am Ende teure Handwerker verpflichten muss.
Ein weiteres Risiko sind auch Fehler bei der Ausführung der Bauarbeiten. Die Kosten für die Beseitigung solcher Fehler können die eingesparte Summe um ein Vielfaches übertreffen und eventuell sogar den Bau unfinanzierbar machen.
Vor Vertragsabschluss sollte man unbedingt klären, welche Hilfestellungen der Hersteller anbietet. Einige Firmen veranstalten individuelle Bauherrenseminare, in denen Selbstbauer wertvolle Tipps und Anregungen erhalten. Viele bieten auch Unterstützung beim Bau durch einen Bauleiter an. Gängig ist auf jeden Fall das Stellen einer sogenannten Bauherren-Fibel.
Selbstbau verursacht längere Bauzeiten, die häufig eine finanzielle Doppelbelastung durch die Kosten der bisherigen Wohnung und die Baukosten des neuen Hauses mit sich bringt. Ideal zur Vermeidung dieser Zusatzkosten sind Häuser, bei denen zumindest das Erdgeschoss beziehbar ist. Hier kann man sich für den Ausbau des Dachgeschosses und/oder des Kellers Zeit lassen ohne dass zusätzliche Kosten für eine Wohnung anfallen.
Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, sind die Gewährleistungen bei Roh- und Ausbauhäusern. Diese beziehen sich nur auf die vom Hersteller erbrachten Leistungen, nicht aber auf die in Eigenleistung erbrachten Arbeiten. Auch Arbeitsleistungen von vom Bauherren beauftragten Handwerkern fallen nicht unter diese Gewährleistung.
Generell bleibt also zu sagen, dass die “Muskelhypothek” sicher eine Möglichkeit ist, um Geld zu sparen, dass ein solches Vorgehen aber genauer Planung bedarf.