Mehr Ruhe im Ruhestand
Ein pflegeleichter Garten ist auch für ältere Menschen eine Freude
Bei aller Liebe zum Garten wird die dazugehörige Arbeit – besonders von älteren Menschen – nicht immer nur als Entspannung empfunden. Je nach körperlicher Verfassung kann die eigentlich beglückende Arbeit auf die Dauer als recht beschwerlich wahrgenommen werden. Wer auf die Zeit im Freien auch mit zunehmendem Alter nicht verzichten möchte, sollte rechtzeitig vorsorgen.
“Die Bedürfnisse älterer Menschen im Garten sind vielen Gartenplanern noch nicht bewusst,” meint Katja Richter aus dem Beratungsnetzwerk Gartenberatung.info. “Dabei sind gerade Menschen im Ruhestand in der Lage, viel Zeit in ihrem Garten zu verbringen und verfügen darüber hinaus meist über einen reichen Erfahrungsschatz an Gartenweisheiten, der nicht brach fallen sollte.”
Mit einem Rollhocker beispielsweise könnten die unvermeidbaren Arbeiten am Boden bequemer durchgeführt werden. Eine zweirädrige Schubkarre könne auch mit einer Hand geschoben werden, während die andere Hand für eine Gehhilfe frei bleibt.
“Bei den Gartengeräten tauchen immer wieder neuartige, zum Teil gewöhnungsbedürftige Varianten auf, die helfen sollen, die eingesetzte Kraft möglichst effektiv zu übertragen,” erzählt die Gartenberaterin. “Wichtig ist, bei allen Geräten auf ein leichtes Material und ein der Körpergröße angemessenes Gerät zu achten.”
“Auch mit der richtigen Pflanzenauswahl kann Arbeit reduziert werden,” betont Simon Herda aus dem holsteinischen Seth. “Beerensträucher werden mittlerweile als rückenfreundliche Hochstämme angeboten. Obstbäume auf schwach wachsenden Unterlagen bleiben deutlich kleiner. So kann ohne Leiter geerntet werden.” Denn wie im Haushalt birgt auch im Garten der Einsatz von Steighilfen das größte Unfallrisiko.
Ein Hochbeet ist nicht nur leichter zu bearbeiten, es gibt dem Garten eine zusätzliche vertikale Struktur.
“Ein Staudenbeet erfreut jedes Jahr aufs Neue, ganz ohne jahreszeitliche Neupflanzungen.” Der Staudenexperte Volker Eschenbach empfiehlt den Fundus der Duftpflanzen auszuschöpfen: “Gerade im Alter sollte man diesen sinnlichen Aspekt hervorheben.” Nicht nur Rosen und Lavendel, auch Stauden wie Monarden und Duftnesseln, Nachtviolen und Steinkraut oder ein begehbarer Duftrasen aus Teppichkamille lassen einen die Stunden im Garten besonders genießen. Und wer geschickt plane, erhalte pflegeleichte Flächen, die Unkräutern wenig Chance ließen.
Gartenberaterin Bettina Hickel aus Kiel hat einen Tipp der besonderen Art: Pflanzen nicht mehr gießen. “Das scheint auf den ersten Blick unsinnig. Viele Stauden sind jedoch durchaus in der Lage, nur mit dem Regenwasser und der in der Erde gespeicherten Feuchtigkeit auszukommen. Je weniger man gießt, desto tiefer gehen die Pflanzenwurzeln in die Erde auf der Suche nach Wasser. Umgekehrt bilden Stauden, die zu oft von oben gegossen werden, nur oberflächennahe Wurzeln aus – sie kommen ohne diese Zugabe dann nicht mehr aus.” Zwar dauert es ein bisschen, bis man die Pflanzen daran gewöhnt hat, und etwas Verlust gibt es in jedem Jahr, aber die Arbeit für Neupflanzungen liegt deutlich unter der, die für regelmäßiges Wässern aufgebracht werden muss. Wer mit einer solchen Planung frühzeitig beginnt (denn nicht alle Stauden sind dafür geeignet), kann dem Alter im eigenen Garten gelassener entgegensehen.
“Wer dennoch im Alter auf pflegeintensive Prachtstauden- und Sommerblumenbeete nicht verzichten will, sollte mit einem Landschaftsgärtner des Vertrauens einen Pflegevertrag abschließen,” ergänzt Tjards Wendebourg. Damit ließen sich auch mit überschaubarem Budget anspruchsvolle Gestaltungen erhalten.
Damit alle Gartenwinkel auch später noch gut begehbar sind, ist auf trittsichere Beläge und sanfte Steigungen zu achten. Ein Geländer an der richtigen Stelle biete nicht nur zusätzliche Sicherheit, es könne auch sinnvoll als gestalterisches Element eingesetzt werden. Hier helfen die Fachberater aus dem Netzwerk Gartenberatung.info im gesamten deutschsprachigen Raum bei der Wahl altersgerechter Gestaltungselemente.
Nicht zuletzt sollte an ausreichende Ruheplätze gedacht werden. Eine Mauer sei die ideale Lösung. Das ansprechend gestaltete Bauwerk kann jederzeit als spontane Sitzgelegenheit genutzt werden. Sie wirkt dadurch viel ungezwungener als eine feste Sitzgruppe. Und mit einer Sitzhöhe von 65 cm fällt auch älteren Gartenliebhabern das Hinsetzten und Verweilen nicht schwer.
Foto:Gartenberatung.info