Gute Beratung beim Einbruchschutz

Polizei-QSNWussten Sie schon, dass ein Einbrecher nur 40 Sekunden benötigt, um ein herkömmliches Fenster aufzuhebeln? Dazu genügt einem Gelegenheitstäter ein Schraubenzieher. Sofern das Fenster gekippt ist, geht es sogar noch einfacher.

In Schleswig-Holstein haben wir einen Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen zu verzeichnen,” sagt Kay Katzenmeier vom Landespolizeiamt. “In den vergangenen Jahren ist die Anzahl kontinuierlich nach oben gegangen. Das zeigt, dass dagegen dringend etwas getan werden muss.”
Auch bei den Tageseinbrüchen sind die Zahlen angestiegen. “In der dunklen Jahreszeit fallen viel Dämmerungseinbrüche an”, warnt der sicherungstechnische Fachberater der Polizei. Gegenüber den Sommermonaten steigen die Einbruchszahlen erheblich.
Die Täter sind zumeist in der Zeit von 16-22 Uhr aktiv, vor allen Dingen wenn niemand zu Hause ist. “Man sollte Vorsorge treffen, sowohl verhaltensorientiert als auch durch Sicherungstechnik,” rät Kay Katzenmeier. “Zuerst ist dafür sorgen, dass das Haus bewohnt aussieht.” Das erreicht man zum Beispiel durch eingeschaltete Beleuchtung im Obergeschoss. Beim Verlassen des Hauses ist darauf zu achten, dass alle Fenster geschlossen werden und die Haustür nicht nur ins Schloss fällt, sondern doppelt abgeschlossen wird.
Zudem empfiehlt die Polizei mechanische Sicherungstechnik, die es auch zum Nachrüsten gibt. Dazu zählen einbruchhemmende Fenster und Türen. Für private Wohnhäuser reicht in der Regel die Widerstandsklasse WK2 aus. Hierbei haben die Fenster zum Beispiel ineinander greifende Pilzkopfzapfen, die das Aufhebeln erschweren.
Einbruchhemmende Türen bieten unter anderem eine sichere Mehrfachverriegelung. Eine WK2-Tür leistet mindestens fünf Minuten lang Widerstand gegen gewaltsames Aufbrechen. Das ist fast immer ausreichend, um Einbrecher zu entmutigen und Nachbarn aufmerksam zu machen. “Wenn der Täter bis dann nichts erreicht, lässt er es bleiben,” bestätigt der sicherungstechnische Fachberater aus dem Polizeialltag.
“Die Täter kommen oft aus dem nicht einsehbaren Bereich. Das ist zumeist der rückwärtige Garten, wo sie sich unbeobachtet fühlen. Achten Sie hier besonders auf eine gute Absicherung.” Das gilt nicht nur für rückwärtige Fenster, sondern auch für Terrassen-, Nebeneingangs- und Kellertüren.
Glastüren oder Türen mit Glaseinsatz bieten keinen ausreichenden Einbruchschutz. Hier muss man insbesondere nachts darauf achten, den Schlüssel abzuziehen.
Damit einbruchhemmende Systeme ihren Zweck auch erfüllen, müssen sie fachgerecht eingebaut werden.
“Das beste Produkt nützt gar nichts, wenn es falsch angebracht ist. Dafür benötigt man unabdingbar den Facherrichter”, betont Kay Katzenmeier, sicherungstechnischer Fachberater der Polizei. “Die Hälfte der Sicherungsmaßnahmen sind falsch eingebaut”, weiß er aus dem polizeilichen Alltag.
Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten, werden Tischlereien, Metall-, Glas- und Rollladenbauer im regelmäßigen Turnus von der Polizei und über die Qualitätsgemeinschaft Sicherungstechnik Nord (QSN) in Sachen mechanische Sicherungseinrichtungen fortgebildet. Gleiches gilt für VdS-zertifizierte Elektrobetriebe im Bereich Überfall- und Einbruchmeldeanlagen. “Erst wenn ein Betrieb die Qualifizierung erreicht hat, bekommt er eine Urkunde und wird in unseren Empfehlungskatalog aufgenommen”, so Kay Katzenmeier.
Verbraucher haben dadurch die Auswahl unter mehreren zuverlässigen und vertrauenswürdigen Betriebe aus den Regionen. Die polizeilich anerkannten Errichterbetriebe können nicht nur die richtigen und sinnvollen einbruchhemmenden Produkte vorstellen, sondern auch einen qualifizierten Einbau von Sicherungseinrichtungen auf Grundlage der polizeilichen Vorbeugungsprogrammen vornehmen.
Die Errichterunternehmen von mechanischen Sicherungseinrichtungen haben sich verpflichtet, die Einbauvorschriften der Hersteller sowie die geltenden einschlägigen Vorschriften und Normen zu beachten und eine fachgerechte Montage durch eigene Fachkräfte vorzunehmen.
Die Facherrichter von Überfall- und Einbruchmeldeanlagen haben qualifiziertes Fachpersonal, um Alarmanlagen nach den anerkannten Regeln der Technik zu planen, zu installieren, instand zu halten und zu warten. Ferner bieten sie einen ständigen Wartungs- und Instandhaltungsdienst.
“Parallel zur Fortbildung nehmen die Fachfirmen an einem Seminar teil, bei dem es um die Beratungspraxis der Polizei geht”, so Kay Katzenmeier, “damit sie nicht nur das rein Technische umsetzten können, sondern auch das polizeilich Wichtige. Es geht darum, wie die Täter handeln und wie die polizeiliche Empfehlungspraxis aussieht.”
Die Polizei rät dazu, sicherungstechnische Einrichtungen nicht an der Haustür oder im Versandhandel zu kaufen. Bei allen Sicherheitsüberlegungen ist dem mechanischen Grundschutz Vorrang einzuräumen. Einbruchmeldeanlagen dienen als Ergänzung und sollten nur von qualifizierten Fachunternehmen projektiert werden.
Weiterführende Informationsbroschüren sind bei der Polizei erhältlich, den Facherrichtern sowie auch bei den Verbraucherzentralen. Sicherungstechnische Hinweise stehen auf der Homepage www.polizei.schleswig-holstein.de und www.qsn-einbruchschutz.de.