Giebelspitzen wie Zipfelmützen

Kategorie [ Wärmedämmung ]

Giebelspitzen - Haus 2009100 Jahre altes Doppelhaus in Schleswig wurde vorbildlich energetisch saniert

Mit größtem persönlichen Engagement hat Nils Kröger aus Schleswig ein fast 100 Jahre altes Doppelhaus umgebaut und dabei den Energiebedarf um 67 Prozent reduziert. Auch wegen der ansprechenden Fassade gewann er damit einen Preis beim bundesweiten KfW-Award.

Das Doppelhaus liegt Innenstadt-nah in Schleswig, in einer alteingewachsenen Gegend, inmitten großer alter Gärten. Nach anfänglichem Zögern wegen der umfangreichen Maßnahmen wurde es den Besitzern bald zur Herzensangelegenheit, dem historischen Vorbild von 1910 nachzueifern, dabei aber moderne Energiespargesichtspunkte zu berücksichtigen. Das erforderte neben dem Studium der alten Pläne und Bilder jede Menge Know-How-Aneignung in Sachen Energieanlagen, Fenster- und Dämmtechnik.
“Dank des fantastischen Spätsommerwetters 2006 und der großen Hilfe unserer Familienmitglieder konnten die Heizungs-, Dach- und Maurerarbeiten zügig vorgenommen werden,” erinnert sich der Bauherr. “Der Aus- bzw. Einbau der 38 Fenster und Türen mitsamt der erforderlichen Innensanierungen (aufgrund des Vorziehens der Fenster in die Dämmebene) zog sich lange hin, da wir im Hause wohnen blieben. Deutlich länger als geplant gestaltete sich der Aufbau des Wärmedämmverbundsystems, da ich mich (unter fachkundiger Beratung des Systemherstellers) nur langsam und penibel an das Gewerk traute und die baulichen Voraussetzungen durch Mauervorsprünge, Terrassenplatten, Runderker, Treppen etc. sehr kompliziert waren.”
Der hohe eigene Anspruch an die technische und optische Gestaltung hat sich gelohnt. Im Dezember 2008 wurden die Maßnahmen abgeschlossen und mit einer “Gerüstfreie Zone”-Party (826 Tage Gerüst) gebührend gefeiert.
Wer das Doppelhaus in der Gartenstraße zuletzt vor drei Jahren gesehen hat, wird es jetzt nicht wieder erkennen. Der graue Zweckbau mit Eternitdach hat sich zum freundlich gelb gestrichenen Wohnhaus gewandelt. Zur Straße ragen anstelle der Gauben nun wieder – wie ursprünglich vor fast 100 Jahren – zwei hohe Giebelspitzen wie Zipfelmützen empor, oben versehen mit gusseisernen Rundfenstern.
Die wahren Werte stecken hinter der schicken Optik: zwölf Zentimeter Polystyrol-Dämmung an der Außenwand, eine Isolierung von Dachboden und Kellerdecke, Wärmeschutzverglasung und ein effizienter Gas-Brennwertkessel.
“Über die von unserem Berater der VR Bank Flensburg-Schleswig angestoßene Teilnahme am KfW-Wettbewerb 2009 haben wir uns gerne hergemacht, waren jedoch hochgradig überrascht, dass wir unter die fünf Preisträgern auserkoren wurden,” freut sich Ehefrau Maike Petersen. “Eine große Anerkennung für unsere unermüdliche Arbeit. Das Jahr 2009 ist mithin für uns nach rund 28 Monaten intensiver Arbeit der erhoffte und jetzt jeden Tag genossene Wiedereintritt in das normale Leben. Unser aktuelles Projekt ist jetzt die Neugestaltung des Gartens.”

Die Renovierungsmaßnahmen
Ursprünglich wollte Familie Kröger nur die nicht mehr zugelassenen Ölbrenner-Heizungsanlage erneuern. Das Gutachten des Planungsbüros Bauplan Rothe stellte jedoch zahlreiche weitere Schwachpunkte fest.
So wies das Eternitdach Risse auf. Die Fassade hatte Setzungsrisse und deutliche Abnutzungserscheinungen seit der letzten Sanierung 1972. Außerdem waren die Fenster teilweise blind. “Die idealtypischen Voraussetzungen (grundsätzlicher Gerüstbedarf, niedriges Zinsniveau, explodierende Energiepreise) haben uns zu einer Komplettsanierung des seit den 50er-Jahren im Familienbesitz befindlichen Doppelhauses bewegt,” sagt Nils Kröger. Dabei konnten die Aspekte Energieeffizienz, optische Anlehnung an die ursprüngliche Bausubstanz und das Ausbügeln alter Bausünden berücksichtigt werden.
Die alte Heizungsanlage und E-Boiler wurden ersetzt durch Gasbrennwerttechnik mit zentraler Warmwasserbereitung. Das 200 m² großen Eternitdach wurde unter Berücksichtigung der Schutzvorschriften abgerissen. Im nächsten Schritt wurden am Dachstuhl die ursprünglichen doppelten Frontspiesse wieder errichtet. Die begehbare oberste Geschossdecke bzw. Dachschrägen wurden mit 20 cm Steinwolle gedämmt. Alle 32 Kunststofffenster und vier Türen hat Nils Kröger ausgetauscht. Besonders zeitaufwändig war die Montage von 390 m² Wärmedämmverbundsystem auf Basis 12 cm Polystyrol bzw. Steinwollelamellen (für die Runderker). Dabei verwendete der Bauherr über 2.000 der Kunststoffdübel. Außerdem wurden auch die Kellerdecken (8 cm Polystyrol) und die Heizungsrohre gedämmt.
“Die Maßnahmen sind bis auf die Sockeldämmung und Kellerdämmung abgeschlossen,” sagt Nils Kröger. “Die durch das Vorsetzen der Fensterelemente beschädigten Laibungen werden laufend renoviert und sollen durch weiße Holz-Fensterfutter mit klassischen Bekleidungsleisten ergänzt werden.” Aufgrund der baulichen Besonderheiten (Runderker, diverse Vorsprünge, Terrassen o.ä.) und der sich daraus ergebenden Kostensteigerungen in den eingeholten Kostenvoranschlägen sowie der persönlichen Erfahrungen aus diversen besichtigten Sanierungsobjekten haben wir uns für die sicher nicht unumstrittene Methode der überwiegenden Eigenleistung entschieden. Grundsatz war dabei jedoch immer der hohe Qualitätsanspruch an das jeweilige Gewerk, sodass entsprechende Arbeiten (wie z.B. das Armieren/ Putzen des Wärmedämmverbundsystems) an Fachfirmen vergeben wurden.”

Die im Rahmen der Gutachtenerstellung Rechnungen für den möglichen Einsatz einer ursprünglich favorisierten Sole-Wärmepumpe (25.000 Euro) bzw. Pelletheizung mit Solarunterstützung (23.000) wurden durch die extremen Kostenunterschiede zu einer Gas-Brennwertanlage (6.000) und die weiteren baulichen Beeinträchtigungen (Pelletlager, drei Tiefenbohrungen) zurückgestellt, zumal das Haus lediglich mit zwei mal zwei Personen bewohnt wird.
“Sollten sich diese Alternativen weiterentwickeln und Marktpreis-konformer gestalten, werden wir neue Überlegungen anstellen. Hierbei scheint uns auch das gemeinschaftliche Betreiben eines Mini-Blockheizkraftwerkes mit Nachbarn denkbar,” sagt der Bauherr.