Frischluft rein, Einbrecher raus
Gitter und Zusatzsicherungen sorgen bei gekippten Fenstern für Einbruchschutz
Besonders im Sommer stellt sich die Frage, wie Räume kühl und luftig bleiben, ohne Einbrechern leichtes Spiel zu bereiten. Abhilfe schaffen spezielle Sicherungssysteme, die Fenster auch in gekipptem Zustand verriegeln.
Sobald die Tage wärmer werden, möchten viele ihre Fenster im Bad/ WC auf Kipp stellen. Oftmals wird das auch in der Küche und im Schlafzimmer praktiziert. Doch ein gekipptes Fenster gilt versicherungstechnisch als offenes Fenster, da es leicht aus seiner Angel gehoben werden kann. “Die Versicherung zahlt nur, wenn die Fenster im Erdgeschoss geschlossen sind”, erinnert Kay Katzenmeier von der Polizei.
Feststehende Fenstergitter
Der Klassiker zur Absicherung ist das Gitter. Damit können Zu- oder Abluftöffnungen, Lichtkuppeln, Kellerschächte und eben Fenster wirkungsvoll gegen Einbruch gesichert werden.
Vor der Entscheidung zum Gitter sollte wohl bedacht sein, dass sie dem Haus den Charakter eines Gefängnisses verleihen können. Das muss nicht sein. Bei entsprechender Gestaltung können sie optisch durchaus ansprechend wirken. Der sicherungstechnische Fachberater des Landespolizeiamtes Schleswig-Holstein empfiehlt sie für den Keller und abgelegene Abstellräume. “Für Räume, wo man nicht so drauf guckt. Dort sind Gitter sinnvoll.”
Einbrecher haben es schwer
Um ein feststehendes Gitter zu überwinden, müssen Einbrecher schon reichlich Gewalt aufwenden. So kommt es vor, dass sie es mit einem am Auto befestigt Seil heraus reißen. Andere Täter hebeln das Gitter aus der Verankerung, sägen oder schrauben es ab. Eher seltener kommt es vor, dass Gitter auseinander gedrückt oder dass einzelne Stäbe abgesägt werden. Die Widerstandszeit eines Gitters wird bestimmt durch die Härte, Bruchfestigkeit und Dicke des Materials sowie durch den Abstand zwischen den Stäben. Nicht zu vergessen ist eine sachgemäße Montage und die Verankerung.
Materialstärke und Befestigung
Beim Einsatz von feststehenden Gittern sollten laut VdS die folgenden Punkte Beachtung finden: Die Stäbe müssen aus Stahl und mindestens 18 mm stark sein
Die Abstände zwischen den waagerechten Gitterstäben sollten 20 cm und die zwischen den senkrechten 10 cm nicht überschreiten.
Die Stäbe müssen an den Berührungspunkten verschweißt und an den im Mauerwerk zu verankernden Stabenden gespreizt sein.
Die Verankerung im Mauerwerk muss mindestens 8 cm betragen oder so an Türen, Toren oder Fensterfriesen angebracht sein, dass sie von außen nicht demontiert werden können. Denn die richtige und sachgemäße Montage ist ebenso bedeutend wie die Auswahl der Materialien und die Festlegung der Schutzklassen.
Platzierung auf der Innenseite
Soweit möglich sollten Gitter auf der Fensterinnenseite angebracht werden. Die Angriffe auf das Gitter werden dann erheblich erschwert. Zum einen muss vor dem eigentlichen Angriff auf das Gitter das Fenster zerstört werden und zum anderen lässt sich solch ein Gitter nicht einfach mit Seil und Fahrzeug herausreißen. Der Täter wird zudem frühzeitig gezwungen, Lärm zu verursachen, bevor er die eigentliche Barriere angeht. Erfolgt eine Überwachung des Fensters, wird vor dem Angriff auf die Barriere bereits Alarm ausgelöst.
Abschließbare Teleskopstange
Eine Alternative zum schweren Fenstergitter ist eine einfach nachzurüstende Teleskopstange aus Präzisionsstahlrohr. Sie wird massiv in der Mauer verankert und hält mechanischen Belastungen stand.
“Die Teleskopstange hat eine abschreckende Wirkung, ist dabei aber viel dezenter als ein Gitter”, sagt Kay Katzenmeier. “Und man kann sie herausnehmen. Wenn Besuch kommt, schließt man sie einfach auf.” Der durch Hineindrücken abschließbare Schließzylinder und das ausziehbare Teleskoprohr gewährleisten eine leichte und schnelle Handhabung.
Bei angebrachter Teleskopstange kann man gut lüften ohne Angst zu haben, dass jemand ins Fenster einsteigt.
Fenster-Zusatzschloss
Außerdem rät die Polizei zur nachträglichen Absicherung per Fensterzusatzschloss, sofern dieses VdS-geprüft ist. Es gibt für jedes Fenster etwas Passendes, auch für doppelflügelige und Veluxfenster. Modelle mit Spezial-Riegel-Verkrallung können nicht nur bei Fenstern, sondern auch bei Hebe- und Schiebetüren eingesetzt werden. Wer auf ein abgesichertes Fenster bei Kippstellung Wert legt, sollt nach entsprechend geeigneten Fensterzusatzschlössern Ausschau halten.
Einbruchhemmende Rollladen
Die meisten Rollläden dienen eher dem Kälte-, Regen-, Sonnen-, und Sichtschutz. Großen Widerstand setzen die meisten aus Kunststoff oder dünnem Aluminium bestehenden Rollläden einem Einbrecher nicht entgegen. Sie werden von Einbrechern entweder hochgeschoben, aus den Führungsschienen gerissen, durchgeschnitten oder durchgeschlagen. Rollläden bieten nur dann Schutz vor Einbruch, wenn sie einbruchhemmend ausgelegt und geschlossen sind.
Unter Sicherheitsgesichtspunkten muss bedacht werden, dass die überwiegende Zahl der Einbrüche tagsüber oder in den Abendstunden stattfindet, zu einer Zeit also, in der die Rollläden in der Regel hochgezogen sind. Deshalb ist es im Wohnbereich sinnvoller, entweder einbruchhemmende Fenster (WK2) zu verwenden oder eben die zuvor genannten Sicherheitsmaßnahmen (Gitter, Teleskopstange, Fensterzusatzschloss) anzubringen.
Mehr dazu auf der Homepage www.polizei.schleswig-holstein.de oder
www.qsn-einbruchschutz.de.