Erfüllte Elternträume
Sind die Kinder flügge geworden und haben das Elternhaus verlassen, verwaisen die Kinderzimmer. Kostbarer Wohnraum (meist unter dem Dach) bleibt ungenutzt. Der Umbau des Dachgeschosses ist hier das richtige Startsignal, damit sich Eltern nach Jahren der Fürsorge und des räumlichen Einschränkens ihre ganz persönlichen Wünsche erfüllen können.
Wenn die Kinder ausziehen, wird das Dachgeschoss umgebaut
Jedem Umbau sollte eine bauliche Bestandsaufnahme durch einen Architekten oder Bauingenieur vorangehen.
Nur der Fachmann kann beurteilen, ob sich das Dachgeschoss von der Konstruktion her für einen Umbau eignet, welche Wände ohne Beeinträchtigung der Statik entfernt, welche eingebaut werden dürfen und welcher Baustoff dafür geeignet ist. Auch kann nur er einschätzen, welche Bauteile saniert oder erneuert werden müssen.
Erst mit einer solchen Bestandsaufnahme lassen sich Umfang und finanzieller Aufwand konkret planen. Ob der Umbau dann genehmigungspflichtig ist oder angezeigt werden muss, hängt nicht nur von dem Bauumfang ab, sondern auch von den regional unterschiedlichen Bauordnungen. Kleinere Umbauten, bei denen nur nichttragende Wände verändert werden, unterliegen diesen Bestimmungen nicht.
Den Empfehlungen einer baulichen Bestandsaufnahme ist auch das Ehepaar Hohenacker beim Umbau ihres Dachgeschosses gefolgt. Der zu Rate gezogene Architekt konnte bis auf die seit längerem undichten Fenster keine weiteren Mängel feststellen. Diese sollten deshalb gleichzeitig mit den baulichen Veränderungen im Dachgeschoss erneuert werden.
Grundidee war, die leer stehenden Kinderzimmer zu einem großen Raum zusammenzufassen. Endlich Platz für die über Jahre gewachsene Bibliothek und die Sammlung alter Waagen des Hausherrn. Deshalb sollte die Trennwand zwischen den beiden Kinderzimmern sowie eine Wand zum Flur eingerissen werden. Eine neue Wand sollte dann den Flur verkleinern und den Raum noch weiter vergrößern.
Vater und Sohn übernahmen die Abrissarbeiten und den Abtransport des Schutts, Fachleute alle weiteren Gewerke. Für die neue Wand wurden Porenbeton-Planbauplatten verarbeitet. Wegen des geringen Gewichts der Steine konnte die Wand direkt auf dem Estrich der Stahlbetondecke errichtet werden, ohne ihn aufzuschlitzen.
Der Anschluss an die Seitenwände erfolgte mit der sogenannten Stumpfstoßtechnik, indem die Wand ohne Verzahnung in das bestehende Mauerwerk hochgemauert und mit einer angedübelten Winkellasche in jeder zweiten Lagerfuge mit den vorhandenen Wänden verbunden wurde. Alle Steine für die schrägen Anschlüsse wurden passgerecht gesägt. Da in der Wand keine Elektro-Anschlüsse vorgesehen waren, entfiel das Schlitzen der Wand für Kabel und das Schalterdosenbohren.
Mit allen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Erneuerung der Fenster, der Verlegung eines Parkettbodens sowie der Elektro- und Heizungsinstallation, dauerte der Umbau im Hause Hohenacker sechs Wochen. Das Ergebnis: Ein sehr heller, schöner neuer Wohnbereich mit einer Fläche von rund 31 m² ist entstanden. Die kleine Bibliothek und die Waagensammlung haben endlich ihren festen Standort gefunden. Nicht nur das Ehepaar hat jetzt seine Freude daran. Auch die längst erwachsenen Kinder freuen sich bei ihren Besuchen über die verwandelten ehemaligen Kinderzimmer.
Bestimmt werden auch die Neubauten von heute irgendwann einmal umgebaut. Um den Aufwand dann möglichst gering zu halten, sollte man mögliche Veränderungen bereits bei der Hausplanung berücksichtigen. Eine mögliche Alternative im Alter ist auch die Errichtung einer Einliegerwohnung unter dem Dach.