Energie sparen im Altbau
Wer bei Öl und Gas sparen will, sollte nicht nur dem günstigsten Tagespreis nachjagen. Besser ist es, den Wärmebedarf der Immobilie zu senken.
Lohnt sich eine nachträgliche Fassadendämmung?
“Mit einem Fassadendämmsystem kann in Altbauten wirkungsvoll Energie gespart werden”, erläutert Dipl.-Phys. Markus Zwerger, Energie-Experte der Sto AG. Weil weniger Energieverbrauch auch gut für die Umwelt ist, fließen derzeit sogar üppige Zuschüsse vom Staat in solche Renovierungen.
Energie wird teurer, sparen lohnt sich also immer mehr. Viele Faktoren beeinflussen den Verbrauch: die verwendeten Baumaterialien, ihre Verarbeitung, ihr Zustand und die Art der Heizungsanlage spielen eine entscheidende Rolle. Je älter das Gebäude ist, bzw. je länger die Modernisierung zurückliegt, desto eher ist eine Sanierung empfehlenswert, denn Wärmedämmung war früher kein Thema. Vorgaben kamen erst mit der Wärmeschutzverordnung im Jahre 1978. Noch ältere Häuser sind zumeist Sanierungs-Kandidaten.
Ein Fassadendämmsystem senkt den Heizenergiebedarf, weil es das Gebäude vor unnötigen Wärmeverlusten schützt. Zum Vergleich: Neubauten im Passivhaus-Standard verbrauchen durchschnittlich 1,5 Liter Öl pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche. Liegt der Verbrauch bei 15 bis 20 Liter (oder über 150 Kubikmeter Gas) pro Quadratmeter, sollte dringend gehandelt werden.
In einigen Fällen sind Hauseigentümer heute schon zur Sanierung verpflichtet. Das schreibt die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) vor. Für Neubauten gibt es längst Grenzwerte für den Energiebedarf. Ab Juli 2008 wird der Gebäude-Energieausweis zudem Pflicht. Bei Fassadenmodernisierungen, An- und Umbauten müssen alle Vorschriften eingehalten werden. Nur den Putz zu erneuern, ist schon heute nicht mehr zulässig.
Das Dämmen der Fassade kostet zwar zunächst Geld, aber die Investition zahlt sich oft schon nach wenigen Jahren aus. Die Preise für Gas, Öl oder Strom steigen vermutlich weiter, so dass es immer wichtiger wird, den Wärmeverlust gering zu halten. Außerdem erzielen Immobilien mit geringem Energiebedarf einen höheren Verkaufspreis.
Staatliche Förderprogramme unterstützen die meisten energieeinsparenden Maßnahmen. Die KfW vergibt zum Beispiel günstige Kredite für nachträgliche Wärmedämmung.
Seit mehr als 40 Jahren beweisen Dämmsysteme, dass sie Gebäude zuverlässig schützen. Unterschiede gibt es aber schon, zum Beispiel bei ihrer Widerstandskraft gegen Stöße von Fahrradlenkern, Fußbällen oder Hagelkörnern. “Sogenannte organische System sind robuster als mineralische Varianten. StoTherm Classic etwa dämmt gut und hält viel aus. Daher gab es auch nahezu keine Reklamation in den vergangenen vierzig Jahren”, berichtet Zwerger.
Mit einem Zinssatz von nur 2,37 Prozent unterstützt der Bund die Wärmedämmung von Fassaden zu enorm günstigen Konditionen. Wer den Energiebedarf seines Hauses besonders intensiv reduziert, kann sogar einen Zuschuss bis zu 8.750 Euro kassieren – maximal 17,5 Prozent der Sanierungskosten. Damit wird die Investition in zusätzlichen Wohnkomfort und deutlich geringere Heizkosten noch attraktiver. Neu ist auch, dass das Geld schon bei Gebäuden ab dem Baujahr 1994 fließt – bislang lag diese Grenze bei 1984 bzw. 1978.
Wer jetzt sein Haus auf den aktuellen (Dämm-)Stand der Technik bringt, bekommt bares Geld vom Staat, spart Heizkosten und steigert den Wert seiner Immobilie. Schon seit einigen Jahren hilft der Bund mit finanziellen Anreizen, die Energiekosten beim Wohnen zu senken. Die Zinsen für die Modernisierungskredite der KfW-Bank wurden jetzt neu festgelegt – und um eine “Tilgungszuschuss-Variante” ergänzt. Zum konkurrenzlos günstigen Zinssatz können Fassadendämmung & Co. finanziert werden. Hinzu kommt: Bei sehr effizienter Sanierung bietet Vater Staat alternativ einen Zuschuss – bis zu 8.750 Euro. Voraussetzung: Die Baumaßnahme im Rahmen des “CO2-Gebäudesanierungsprogramms” muss den Kohlendioxid-Ausstoß des vor 1994 gebauten Hauses auf ein Niveau verbessern, das über den Niedrigenergiehaus-Standard hinaus geht. (Exakte Konditionen unter www.kfw.de).
Um die Förderung zu erhalten, müssen bestimmte “Maßnahmenpakete” durchgeführt werden – oder ein Sachverständiger entwickelt eine maßgeschneiderte Lösung und weist den neuen Energiebedarf nach. Bis zu 50.000 Euro Förderung sorgen dafür, dass sich viele Arbeiten voll finanzieren lassen. Da diese Grenze pro Wohneinheit gilt, steht für größere Komplexe ein entsprechend höherer Kreditrahmen bereit – für ein Zweifamilienhaus schon 100.000 Euro. Reicht dieser Rahmen nicht, kann in vielen Fällen zusätzlich das Programm “Wohnraum modernisieren” in Anspruch genommen werden. Auch in diesem Angebot liegen die Zinsen niedrig.
Angesichts dieser historisch günstigen Konditionen und der zu erwartenden weiteren Steigerung der Energiepreise ist jetzt der ideale Zeitpunkt, die Wärmedämmung der Hausfassade in Angriff zu nehmen; schließlich spielt diese beim Energiesparen eine Schlüsselrolle. Modellrechnungen weisen nach, dass eine gedämmte Gebäudehülle je nach Dimensionierung 30-70 Prozent des Heizenergiebedarfs senken kann. Anders ausgedrückt: Der Ölverbrauch kann sich von zwanzig Litern auf drei Liter je Quadratmeter Fassadenfläche und Jahr reduzieren.