Einfamilienhaus, das es “in sich hat”

HeinickeDie Bauherrn und Architekten lernten sich am “Tag des Passivhauses” bei einer Besichtigung kennen. Bei der Grundstückssuche berieten die Architekten hinsichtlich Eignung. Verschattung durch Bäume und vorhandene Bebauung können durchaus Faktoren sein, die das Passivhauskonzept schwieriger machen.

Recht schnell einigten sich die Beteiligten auf ein Haus in Holzkonstruktion, die gegenüber dem Massivbau einige Vorteile mit sich bringt.
Es folgten einige Vorentwürfe, unter anderem mit einem einhüftig sitzenden Satteldach, die aber angesichts des strikt formulierten B-Planes verworfen werden mussten.
Letztlich ist der Spagat zwischen Dachgeschossnutzung und Galeriebildung gelungen, so dass Küche, Flur und Wohnzimmer mit Galerie räumlich eine Einheit bilden. Die Treppe steht – als Möbelstück begriffen – mitten im Wohnraum und teilt die Verkehrsfläche mit der Garderobe von der Ruhezone ab.
Markant ist der Südgiebel, dessen Fassade fast voll verglast ist. Der Dachüberstand sorgt im Sommer für eine ordentliche Verschattung.
Um den sehr großen Zentralraum mit ausreichend Licht zu versorgen, sitzen über der Galerie zwei Dachflächenfenster, die das Licht über die Galeriewand bis tief ins Wohnzimmer bringen. Die beiden großen Fenster der Westseite erhielten einen im Fenster integrierten Sonnenschutz.
Für die gute Luft sorgt – wie in jedem Passivhaus – die Lüftungsanlage, deren Leitungen trotz des sehr offenen Raumkonzeptes nicht zu sehen sind. “Eine Frage der frühen und konsequenten Planung der Haustechnik, die ebenfalls bei uns im Büro durchgeführt wird”, sagt Architekt Robert Heinicke.
Bei schwierigem Wetter, wie Anfang Oktober geschehen, mit Temperaturen von bis zu 26°C und wolkenlosem Himmel ist das Gebäude morgens und abends über die Dachflächenfenster in rund sechs Meter Höhe gut zu lüften, so dass eine Überhitzung vermieden wird.
“Das Geheimnis des Passivhauses ist, dass es Behaglichkeit und Komfort in den Räumen mit Energieeffizienz, also geringen Betriebskosten verbindet. Inzwischen ist es nicht nur das bessere, sondern langfristig auch das kostengünstigere Haus”, so Architekt Nisse Gerster. “Man müsse nur mal ehrlich rechnen. Mit Einführung der Energieeinsparungsverordnung 2012 werde dies offensichtlich werden.”
Ende August 2011 ist das Gebäude im Rahmen der norddeutschen Passivhauskonferenz von einer Südkoreanischen Delegation der Myongji-Universität besichtigt worden.

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