Eine gute Zukunft für das Reetdach
Forschungsinitiative bringt Klarheit für die Reetdachdecker
Seit mehr als 6.000 Jahren ist das Reetdach die schützende Haube eines Reetdachhauses.
Bei Regen läuft das Regenwasser an den schuppenartig nach unten gerichteten Reethalmen von der Dachfläche bis an die Traufe. Von hier aus tropft es ab. Die Bewohner können dem Spiel des Wassers durch das Fenster zusehen. Dachrinnen gibt es nicht. Nach dem Regenguss wird das Dach durch Wind und Sonne wieder getrocknet. Aufgrund seines hohen Silikatgehalts gehört Reet zu den widerstandsfähigsten organischen Baustoffen und hält diesem Wechselspiel von Befeuchtung und Trocknen über Jahrzehnte stand. Wenn das 30cm dicke Reetpaket durch Abwitterung auf die Hälfte geschrumpft ist und die Bindedrähte zum Vorschein kommen, erst dann muss über eine Neueindeckung nachgedacht werden.
Eine systematische Reetdachforschung wurde jedoch nie betrieben. Niemand hielt es für notwendig. Das änderte sich vor drei Jahren, als einige atypische Schadensfälle aufgetreten sind. Einige Reetdächer trockneten deutlich langsamer und waren deutlich länger als üblich feucht nach einem Niederschlag. Das reduzierte die Haltbarkeit dieser Dächer beträchtlich. Es wurde sogar über vollkommen neuartige Mikroorganismen spekuliert.
Die Gerüchte riefen die Reetdachdeckerinnungen auf den Plan, die kurz entschlossen eine Gesellschaft zur Qualitätssicherung beim Reet (QSR) gründeten, die von da an umfangreiche Forschungsprojekte aus dem Boden stampfte. Mit großer Solidarität stellten sich die norddeutschen Bundesländer, das Dachdeckerhandwerk und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt auch finanziell hinter die 290.000 Euro schweren Projekte, Der Aufwand hat sich gelohnt. Heute weiß man deutlich mehr über die Funktionsweise der Reetdächer. Und eine Sache wurde deutlich: die auf dem Reetdach befindlichen Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien gibt es bereits seit Jahrtausenden und sie befinden sich überall in der Natur.
Die Fachleute haben als wesentlichen Faktor für die Langlebigkeit von Reetdächern die Feuchtigkeit ermittelt. So sind heute alle Regeln darauf ausgerichtet, die Feuchtigkeit möglichst gering zu halten: Das Reet muss reif geerntet und richtig gelagert werden. Das Dach muss steil genug sein und die Unterkonstruktion eine gute Belüftung aufweisen. Die Ausführung macht natürlich der Reetdachdecker, der seine Handwerkskunst beherrscht.
Hans-Hermann Ohm, Obermeister der Reetdachinnung in Husum gibt jedem Interessierten gerne Auskunft. Für das Reetdachgewerbe gibt er sich sehr optimistisch: ” Es kann gesagt werden: das Reetdach hat wieder Zukunft. Es wird seinen Platz als älteste, funktionierende und gesunde Dachbedeckung behaupten.”
Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.reetdachdeckung.de.