Einbrecher kommen in der Dämmerung
Opfer eines Einbruchs zu werden ist für die meisten Bürger ein unvermittelter, großer Schock. Neben dem rein materiellen Verlust verängstigt die Betroffenen vor allem der unerwünschte Eingriff in ihre Privatsphäre. Man fühlt sich danach Zuhause nicht mehr sicher.
Im Vorjahr gab es in Schleswig-Holstein 6.700 Einbrüche in private Haushalte. Die Tendenz ist steigend (9 % mehr als im Jahr zuvor).
Ein Einbruch scheint aus heiterem Himmel zu kommen, doch dem ist nicht so. Man kann sich gegen Diebe schützen. Untersuchungen der Polizei belegen, dass mehr als ein Drittel aller Einbruchsversuche scheitern, weil die Häuser gesichert sind.
Der Grund: Die Mehrzahl der Einbrüche werden von Gelegenheitstätern verübt, die beispielsweise mit einfachem Hebelwerkzeug schlecht gesicherte Türen oder Fenster aufbrechen. “Durch mechanische Sicherheitstechnik und ergänzende Alarmanlagen kann man das verhindern”, sagt Kay Katzenmeier vom Landespolizeiamt. “Nach fünf Minuten gibt der Täter auf, wenn er nicht ins Haus kommt.” Einbrecher scheuen das Risiko, wenn es länger dauert oder Lärm verursacht.
Gerade in der Dämmerung wird es den Tätern zu einfach gemacht. Fehlende Beleuchtung signalisiert, dass niemand zu Hause ist. “Schalten Sie das Licht an”, rät der sicherheitstechnische Fachberater der Polizei. “Und sorgen Sie dafür, dass man die Klingel draußen nicht hören kann. Wenn nämlich bei der Klingelprobe niemand öffnet, legen die Einbrecher los.”
Das richtige Verhalten
Ihre Sicherheit beginnt bei Ihrem eigenen Verhalten. Auch wenn Sie Haus nur kurzzeitig verlassen, ziehen Sie die Tür nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie immer zweifach ab.
Verstecken Sie Ihren Haustürschlüssel niemals draußen. Einbrecher kennen die üblichen Verstecke. Wenn Ihnen Ihr Schlüssel abhanden gekommen ist, wechseln Sie umgehend den Schließzylinder aus.
Lassen Sie bei einer Tür mit Glasfüllung den Schlüssel niemals innen stecken. Nutzen Sie Türspion und Sperrbügel (Türspaltsperre).
Öffnen Sie auf Klingeln nicht bedenkenlos, und zeigen Sie gegenüber Fremden ein gesundes Misstrauen. Trickbetrüger nutzen Gutgläubigkeit gnadenlos aus.
Haus- und Wohnungstüren
Die Außentür wird von Einbrechern zumeist aufgehebelt. Verlängerte, mehrfach im Mauerwerk verankerte Schließbleche können das wesentlich erschweren. Gegen Aufhebeln im Bandbereich schützen Hintergreifhaken.
Schwache Türblätter sollten verstärkt oder besser gegen massive Türblätter (z.B. 40 mm-Vollholztür) ausgetauscht werden.
Die Polizei rät außerdem dazu, ein einbruchhemmendes Schloss mit besonders geschütztem Profilzylinder einzubauen und beides durch einen Beschlag mit zusätzlicher Zylinderabdeckung zu schützen. Ein gutes Zusatzschloss mit Sperrbügel an der Eingangstür ist ebenso zu empfehlen.
Wichtig auch: Lassen Sie bei Neu- oder Umbauten gleich nach Norm geprüfte einbruchhemmende Türen und Fenster einbauen. Sie müssen dann nicht nachrüsten.
Fenster, Balkon- und Terrassentür
Auch Fenster werden meist vom Einbrecher mit einfachem Werkzeug aufgehebelt. Leicht erreichbare Fenster-, Terrassen- und Balkontüren sind besonders gefährdet. Verschließen Sie die Fenster auch bei kurzer Abwesenheit. Vorsicht: Gekippte Fenster sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen. “Obendrein gibt es bei gekippten Fenstern keinen Versicherungsschutz”, warnt Kay Katzenmeier.
Sichern Sie Fenster und Fenstertüren mit absperrbaren Zusatzsicherungen (Aufbruchsperren). Absperrbare Fenstergriffe alleine genügen nicht.
Einbruchhemmende Rollläden
Viele Rollläden können durch Hochschieben relativ leicht überwunden werden. Hier sollten Sie Zusatzsicherungen einbauen lassen. Empfehlenswert sind geprüfte einbruchhemmende Rollläden der Widerstandsklasse 2.
Rollläden sollten zur Nachtzeit – und keinesfalls tagsüber – geschlossen werden, damit sie nicht sofort Ihre Abwesenheit signalisieren. Gleiches gilt für die Urlaubszeit. “Wer einfache, mechanische Rollläden hat, sollte einen Nachbarn bitten, sie täglich hochzuziehen”, so der sicherheitstechnisch Fachberater der Polizei. “Besser sind elektrische Rollläden, die sich automatisch regeln lassen.”
Alarmanlagen schrecken ab
Mechanische Sicherungen, die aufeinander abgestimmt sind, stehen an erster Stelle. Sie können dem Täter einen bestimmten Widerstand entgegensetzen und einen Einbruch unter Umständen verhindern. Daher sind sie eine wesentliche Voraussetzung für einen wirksamen Einbruchschutz.
Einbruchmeldeanlagen dagegen können lediglich melden. Sie verhindern zwar keinen Einbruch, können jedoch abschreckend wirken. Denn durch ihre Meldewirkung wird das Risiko für den Einbrecher, entdeckt zu werden, wesentlich erhöht.
Am besten ist es, die mechanische Sicherungstechnik mit der elektronischen Überwachung zu kombinieren. Grundsätzlich sollte die Alarmanlagen so erweitert werden, dass auch ein Überfallalarm ausgelöst werden kann.
Tresor und Bankschließfach
Lassen Sie Ihre Wertsachen zu Hause nicht offen herumliegen, sondern bewahren Sie sie in einem Wertbehältnis bzw. Tresor auf. Wichtig ist, sich vor der Anschaffung über die verfügbaren Sicherheitsstufen der Behältnisse zu informieren. Nur geprüfte und zertifizierte Schränke bieten qualifizierten Schutz vor Einbruch und/ oder Feuer. Einfache Stahlschränke bieten den Tätern hingegen leichte Beute.
Wertbehältnisse mit einem Eigengewicht bis zu 1.000 kg müssen fest verankert werden. Alternativ stehen geprüfte Einmauerschränke zur Verfügung. Wertsachen, die nur selten gebraucht werden, gehören in ein Bankschließfach.
Garage und Gartentor
Einbrecher dringen in Garagen ein, um von dort über die Verbindungstür in das Wohnhaus einzubrechen, aber auch, um aus der Garage Gegenstände zu entwenden.
Bei einem Neubau sollten Sie prüfen, ob eine Tür zwischen Garage und Wohnhaus bzw. Garten unbedingt benötigt wird. Außerdem sollten Sie sich fragen, ob Garagenfenster wirklich erforderlich sind. Diese bieten nämlich eine zusätzliche Einstiegsmöglichkeit.
Durch den Einbau eines geprüften einbruchhemmenden Garagentores erhält man einen guten Einbruchschutz. Die Tore werden einer praxisgerechten Einbruchprüfung unterzogen. So ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion keinen Schwachpunkt gibt.
Einbruchhemmende Tore können Ihren Zweck nur dann erfüllen, wenn sie nach der Anleitung des Herstellers fachgerecht eingebaut werden. Auf die Aushändigung einer Montageanleitung sollte bestanden werden.
Beratung durch Fachbetriebe
Die Landespolizei Schleswig-Holstein hat sich zum Ziel gesetzt, durch eine kooperierende und verantwortliche Einbindung von qualifizierten Fachbetrieben (Facherrichtern) eine möglichst flächendeckende und qualitativ hochwertige Beratung beim Einbruchschutz sicherzustellen. Dadurch besteht die Möglichkeit der Auswahl zuverlässiger und vertrauenswürdiger Betriebe aus den Regionen. Diese können nicht nur die richtigen und sinnvollen einbruchhemmenden Produkte vorstellen, sondern auch einen qualifizierten Einbau von Sicherungseinrichtungen auf der Grundlage der polizeilichen Vorbeugungsprogrammen vornehmen.
In dem vom Landespolizeiamt herausgegebenen und im Internet ständig aktualisierten Adressennachweis der rund 150 Errichterunternehmen für mechanische Sicherungseinrichtungen und für Überfall- und Einbruchmeldeanlagen finden Sie den örtlichen Ansprechpartner für spezielle sicherungstechnische Fachfragen. Dazu klicken Sie auf der Homepage www.polizei.schleswig-holstein.de unter “Vorbeugung und Beratung” auf “Einbruchschutz”. Daneben gibt es auch mehrere Broschüren und Faltblätter zur Einbruchsprävention zum Download.
Nachbarn helfen Nachbarn
Zu guter Letzt weist die Polizei auf die Aktion “Nachbarn helfen Nachbarn” hin. Achten Sie auf fremde Personen, die im Nachbarhaus oder auf dem zugehörigen Grundstück unterwegs sind und sprechen Sie sie an. Seien Sie jederzeit aufmerksam. Einbrecher, Diebe oder Trickbetrüger können Ihnen auffallen, wenn Sie Augen und Ohren offen halten.
Alarmieren Sie bei Gefahr und dringendem Verdacht sofort die Polizei über den Polizeiruf 110. “Lieber einmal zuviel die 110 wählen als zuwenig”, rät Herr Katzenmeier. “Suchen Sie nicht lange nach einer Durchwahl, sondern rufen Sie gleich bei der Leitstelle an. Die ist rund um die Uhr besetzt.”