Ein Zehntel des Heizwärmebedarfs

keenco3Die Lage, die Substanz und der Charme des Gründerzeithauses Baujahr 1909 hatten es der vierköpfigen Bauherrenfamilie angetan. Sie kauften das gut 100 Jahre alte Zweifamilienhaus in Hamburg-Harburg mit dem Vorhaben, es mustergültig energetisch zu sanieren.

Effizienzhaus 70 war lange das erklärte Ziel. Das bedeutet eine Energieeinsparung von rund 70 Prozent gegenüber dem Bestand und ermöglichte die Aufnahme in das Programm “Niedrigenergiehaus im Bestand” der Deutschen Energie Agentur (dena). Beim Vertiefen der Planung reifte bei den Bauherren der Gedanke, das Modellprojekt zum Passivhausstandard zu erweitern.
Die Bauherren fanden in der keenco3 UG, einer Planungsgesellschaft für nachhaltiges, wirtschaftliches und energieeffizientes Bauen und Sanieren, einen kompetenten Wegbegleiter. Jetzt läuft die Sanierung am Schafshagenberg als Best-Practice-Beispiel der Hamburger Energie- und Modernisierungskampagne.
Dank des anspruchsvollen Zieles einer Sanierung im Passivhausstandard reduziert sich der jährliche Heizwärmebedarf auf unter 15 KWh pro Quadratmeter Wohnfläche – weit weniger als ein Zehntel des ursprünglichen Bedarfes.

Es muss sich rechnen
“Eine eingehende Prüfung des energetischen und baulichen Zustandes war Grundlage für eine Wirtschaftlichkeitsanalyse”, sagt keenco3-Geschäftsführer Ingo Kempa. “Denn die energetischen und räumlichen Bedürfnisse sollten auch den finanziellen Möglichkeiten der vierköpfigen Familie gerecht werden.”
Die Wirtschaftlichkeit eines Bau- oder Sanierungsvorhabens ist neben den verwendeten Materialien und dem zu erreichenden energetischen Standard ein wichtiger Aspekt für nachhaltiges Bauen. Gleichzeitig müssen sich alle Beteiligten – allen voran die Bauherren – darüber einig sein, mit welchen Randbedingungen (z.B. Fremdkapitalzinssatz, zukünftige Teuerungsrate des Energieträgers und Fördermöglichkeiten) die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung aufgestellt wird. Nur so liefert sie eine solide Basis für weitere Planungen.

Hamburger Musterbaustelle
Besonderes Augenmerk legten die Planer auf eine behutsame Modernisierung. Die Entwürfe greifen die gestalterischen Elemente des ursprünglichen Baus von 1909 auf und bewahren die geschichtsträchtige Architektur.
Grundrisse und Erschließung wurden den heutigen Bedürfnissen angepasst, vorhandene Holzböden, Innentüren und Putzstrukturen aber soweit es ging erhalten. Geschickt schafften die Architekten so eine Symbiose von Alt und Neu mit einem ganz eigenen Charakter. Die vorhandene Dachkonstruktion musste allerdings ausgetauscht werden, da sie in den 1960er-Jahren mit einem gesundheitsschädlichen Holzschutzmittel behandelt wurde.
Bei der Sanierung kamen überwiegend nachhaltige Dammstoffe aus Holzweichfaser und Zellulose zum Einsatz. Die verbauten Produkte sind größtenteils NaturePlus-zertifiziert.

Trümmerhaufen mit System
Nach Beginn der Umbaumaßnahmen glich die Baustelle einem Trümmerhaufen – selbstverständlich mit System. Das neue Dach bauten die Zimmerer
aus 40 cm breiten Holzstegträgern auf. Danach flockten sie es mit einer Zellulose-Zwischensparrendämmung (40 cm) aus. Mit den Holzstegträgern auf dem Dach kamen die Holzbauer gut zurecht. Das geringe Eigengewicht der Stegträger erleichtert das Richten.
Anstelle eines herkömmlichen Wärmedämmverbundsystems aus Styropor wurde die Fassade mit einer Holzkonstruktion aufgedoppelt. Mit Einschlagdübeln befestigten die Handwerker Holzstegträger am Mauerwerk. Nachdem die Träger vollflächig mit Rauhspund beplankt waren, konnte der Hohlraum mit Zellulosedämmung ausgeflockt werden.
Den äußeren Abschluss der Fassade bildet eine 6 cm starke Putzträgerplatte aus Holzweichfaser, die mit einem mineralischen Putzsystem versehen wurde. Neu sind die Passivhausfenster mit Dreifachverglasung und einem Uw < 0,8 W/(m2K). Die Holzfenster haben einen Dämmkern aus Kork.

Haustechnik mit Vorbildcharakter
Auch die Haustechnik ließen die Architekten komplett erneuern. Gemeinsam mit JHR-Haustechnik aus Barnstedt entwickelten sie eine ganzheitliche Energieversorgung aus einem Holzpelletkessemit 10 KW Leistung, einer Solarthermieanlage mit 10,2 m² Kollektorfläche und einem Pufferspeicher mit 750 Liter Fassungsvermögen.
Die Solarthermieanlage deckt 67 Prozent des jährlichen Warmwasserbedarfes. Im Sommer kann der Pelletkessel komplett abgeschaltet werden.
Obligatorisch im Passivhaus ist eine sogenannte Komfortlüftung. Sie stellt permanent Frischluft zur Verfügung und minimiert im Winter die Lüftungswärmeverluste. Die hier verwendete passivhauszertifizierte Lüftungsanlage hat einen Wärmerückgewinnungsgrad von über 93 Prozent.
Alles in allem investierten die Bauherren rund 220.000 Euro. Dafür erhielten sie ein Haus nach ihren Wünschen und modernstem technischen Standard – und Heizkosten von rund 100 Euro im Jahr!
Die Bauherren werden auch in Zukunft nicht in die Verlegenheit kommen zu sagen: “Hätte ich doch damals bei der Sanierung besser gedämmt.”

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