Ehrgeizige Sanierung mit Liebe zum Detail

Kategorie [ An- und Umbau ]

HH HausDenkmalgeschützte Villa in Hamburg wurde als Effizienzhaus 2009 prämiert

Die Villa in Volksdorf ist in die Liste geschützter Denkmale der Freien und Hansestadt Hamburg eingetragen. Das Gebäude wurde 1930 vom Regierungsbaumeister a.D. Otto Post mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und errichtet.

Zunächst fallen die unterschiedlich gestalteten Fassaden des Hauses ins Auge. Während die Straßenseite mit einem steil aufragenden Giebel achssymmetrisch ausgebildet ist, stellt sich die Rückfassade mit zwei Walmdächern und asymmetrischen Baukuben sehr heterogen dar.
Die Eingangsfassade im Osten zeigt mit einem dominierenden Fensterband stilistische Anklänge an die Bauhaus-Architektur, während die Vielzahl der Fensterformate, Gebäudekanten und Details im Westen eher an die Gemütlichkeit des Heimatstils anschließt.
Unter dem energetischen Aspekt befand sich das Gebäude vor der Sanierung nahezu im Originalzustand. Dies bedeutet einen nicht zeitgemäßen Wohnkomfort (kalt abstrahlende Außenwände, Zugerscheinungen) und erhebliche Betriebskosten. Im Winter 2005/06 war die durchaus ausreichend dimensionierte Zentralheizung nicht in der Lage, die Wohn- und Schlafräume behaglich zu temperieren.
Auf der Grundlage einer energetischen Ist-Analyse wurde sowohl für die Gebäudehülle als auch für die Anlagentechnik ein ehrgeiziges Sanierungskonzept entwickelt. Alle Bauteile wie Dach, Außenwände, Fenster und Kellerdecke wurden auf den energetisch höchstmöglichen Standard angehoben, der unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte möglich war.
Eine mehr als 6 cm starke Kellerdeckendämmung war aufgrund der geringen lichten Höhe des Teilkellers, das Aufbringen einer zusätzlichen Innendämmung wegen der zu erhaltenen Vertäfelungen, die Verwendung von Dreifach-Verglasungen wegen der einzuhaltenden Fensterproportionen und der Einbau einer Pelletheizung aufgrund nicht vorhandenen Lagermöglichkeiten nicht möglich.
Die Verwendung einer Aufsparrendämmung und die Integration einer Solarthermieanlage konnte trotz anfänglicher Bedenken des Denkmalschutzamtes realisiert werden.
“Die Dämmmaßnahmen des Daches und die damit verbundene Anhebung der Ortgänge, sowie der Wunsch diese wieder als scharfkantigen Übergang zwischen Mauerwerk und Dachfläche herzustellen, machte es notwendig, die Ortgänge aufzumauern,” sagt der Architekt Hans-Jörg Peter. “Dazu wurde für diese Sanierung extra neue Spaltklinker gebrannt, die sich am historischen Vorbild orientieren.”
Das zweischalige Außenmauerwerk ist mit schwarz-blauen Spaltklinkern verkleidet. Die vorhandene 9 cm starke Luftschicht wurde mit Polystyrol-Partikelschaum als Kerndämmung ausgeblasen.
Der jährliche Heizwärmebedarf wurde um 58 Prozent reduziert. Der Primärenergiebedarf sank von 83.104 kWh auf 27.676 kWh. Das sind 67 Prozent weniger.

Was sagen die Besitzer Karel und Steffi Golta zur Baumaßnahme? Gab es Konflikte zwischen den denkmalpflegerischen Auflagen und der energieeffizienten Sanierung?
Das Dach musste aus energetischen Gründen unter wie auch über den Sparren gedämmt werden. Die damit verbundene Erhöhung des Daches war ein erheblicher Diskussionspunkt. Das Denkmalamt arbeitete konstruktiv mit an einer Lösung und beteiligte sich an den Kosten für die speziell angefertigten Klinkersteine.

Wie waren die Vorgaben der Denkmalpflege?
Da wir noch die originalen Baupläne von 1930 hatten, waren die Vorgaben eindeutig: Herstellung des originalen Zustandes. Dies betraf dann vor allem Fenster und alle Übergänge von Dach zu Mauerwerk, Überständen, Anschlüssen und ähnliches. Also viel Arbeit im Detail.

Gibt es besondere gestalterische Detaillösungen im Rahmen der Auflagen?
Mit sehr viel Engagement und Liebe zum Detail wurde in das Dach auf der Westseite 8 m² Solarkollektoren eingebaut und mit Kupfer stimmig mit den Dachpfannen verblendet. Diese aufwändige Lösung führte dazu, dass die Kollektoren kaum sichtbar sind. Für uns das Paradebeispiel wie man ein denkmalgeschütztes Haus ins 21. Jahrhundert bringen kann.

Weitere Informationen erhält man bei Dipl.-Ing. Hans-Jörg Peter, Cornehlsweg 13, 22359 Hamburg,
www.hh-energieberatung.de

Foto:dena