Dezentrale Energieversorgung

Kategorie [ Messe, New Energy ]

ReisenbohrerBiogas als Motor für Wirtschaft und Technologie in der Region

Die Biogaserzeugung und -nutzung bildet bei der new energy-Messe einen wichtigen Themenschwerpunkt. Zahlreiche renommierte Biogasunternehmen präsentieren ihre Innovationen als Aussteller und im Rahmen des Kongressprogramms.

Die Gewinnung von Energie aus Biomasse ist umstritten, nicht nur in Schleswig-Holstein. Aber in der Diskussion über den verstärkten Maisanbau kommt häufig die Tatsache zu kurz, dass die Biogastechnologie sich in einigen Regionen des Landes zum Motor für Wirtschaft und technischen Fortschritt entwickelt hat. Unternehmen konzipieren Anlagen, bauen sie und optimieren Prozesse, Ingenieurbüros planen, Tiefbauunternehmen legen Fernwärmeleitungen, über die teilweise ganze Dörfer mit Wärme versorgt werden.
Anschaulich wird dies unter anderem in Neukirchen nahe der dänischen Grenze sowie in Dörpum, wo bereits bestehende Wärmenetze in diesem Herbst erweitert wurden, weil die Nachfrage der Dorfbewohner die bisherige Anlagenleistung überstieg. In diesem Ortsteil mit gut 450 Einwohnern sind nach der Aufstockung nun rund 80 Prozent aller Haushalte an über vier Kilometer Wärmeleitung angeschlossen.
“Gerade bei uns im Norden Nordfrieslands gibt es viele Beispiele dafür, dass Biogas nicht nur ein wichtiges Standbein dezentraler Energieversorgung sein kann, sondern durch das Angebot an kostengünstiger Wärme auch Akzeptanz in der Bevölkerung findet”, weiß der Projektmanager der als Bioenergie-Region ausgezeichneten AktivRegion Nordfriesland Nord Torsten Schmidt-Baum.
Aber nicht nur durch solch örtliche Frei-Haus-Wärme-Angebote wirkt sich die Bioenergie positiv auf die Portemonnaies vieler Menschen in der Region aus. Bezogen auf ganz Nordfriesland etwa seien allein aus Einspeisevergütung für Biogas Erhebungen des Netzbetreibers zufolge im Jahr 2009 über 40 Millionen Euro in die Kassen der Betreiber geflossen, so Schmidt-Baum.
Dieser Einspeisung sind Investitionen in Millionenhöhe vorausgegangen, mit allen positiven Auswirkungen für das regionale Handwerk, für Dienstleister und Banken. Weitere sekundäre Effekte, zum Beispiel aus Service und Wartung, kommen ebenfalls dazu.

Daneben treiben in der Region ansässige Unternehmen auch die technische Entwicklung der Bioenergie voran. Die Experten der Firma Northtec-Maschinenbau aus Bredstedt etwa haben an der Optimierung des Gärprozesses getüftelt und eine Separationseinheit konzipiert, die die flüssigen und festen Bestandteile des Substrats nach einem besonderen Verfahren trennt und so durch Verflüssigung für eine bessere Gasausbeute sorgt. “So, wie ein Eintragsystem zu einer modernen Biogasanlage gehört, ist auch eine Separation in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken”, so Geschäftsführer Ole Hering.
Stichwort Substrat: In der kritischen Debatte wird häufig auch übersehen, dass keinesfalls immer und ausschließlich Mais “Hauptfutter” für Biogasanlagen ist – und dass nur rund die Hälfte des derzeit in Schleswig-Holstein auf gut 184.000 Hektar angebauten Maises zur Biogasgewinnung verwendet wird, die andere Hälfte als Tierfutter. Das hat der Leiter des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp der Landwirtschaftskammer Dr. Eckhard Boll anhand von Vergleichszahlen errechnet.
In den Anlagen werden zudem zu erheblichen Anteilen auch Grasschnitt und andere organische Substanzen, vor allem aber die bei Bauernhofnachbarn so unbeliebte Gülle zu Gas vergoren. “Zunehmend finden außerdem Rüben Verwendung”, erklärt der Sprecher der Regionalgruppe Schleswig-Holstein des Fachverbandes Biogas Hans-Ulrich Martensen aus Sönnebüll, in dessen eigener Biogasanlage gerade entsprechende Versuche mit 20 Prozent Rübenanteil laufen.
Erste Ergebnisse dieser Probeläufe werden voraussichtlich bereits bei der new energy husum 2011 vom 17.-20. März vorgestellt.