Dachgeschoss komplett in Holzbauweise
Eine schnelle und witterungsunabhängige Bauweise bringt Vorteile
Der zurückliegende strenge Winter hat so manches Opfer gefunden. Nicht nur Autos sind liegengeblieben, sondern auch zahlreiche Baustellen, auf denen monatelang die Arbeit ruhte. Dies geschah häufig bei Häusern, deren Dachgeschoss kurz vor der Fertigstellung stand. Eine Unterbrechung der Bauarbeiten in dieser Phase ist besonders unangenehm, da ohne geschlossenes Dach kein Innenausbau beginnen kann.
Manche Baufamilien sahen sich angesichts des frühen und langen Winters gezwungen, den Einzug in das neue Heim zu verschieben, oft verbunden mit unerwarteten Kosten.
Eine Ursache für Verzögerungen, die sich gerade beim Bau des Dachgeschosses ergeben, liegt manchmal an der hier engen Verzahnung von Zimmerer- und Maurerarbeiten. Auf deutschen Baustellen ist es übliche Praxis, dass im Dachgeschoss zuerst der Maurer die tragenden Wände errichtet, danach der Zimmermann seinen Dachstuhl montiert und anschließend der Maurer wiederum auf den Giebelwänden die Wände vervollständigt, die Innenwände nach der vorgegebenen Dachgeometrie fertigstellt und traufseitig die Sparrengefache in Flucht der Außenwände schließt. Häufig kann erst dann der Zimmerer den weiteren Dachausbau vervollständigen.
Dieses Vorgehen hat Tradition und bewährt sich normalerweise. Es bleibt jedoch anfällig hinsichtlich des reibungslosen Bauablaufs und es kommt vor, dass bei der Überschneidung von mehreren Gewerken Störungen entstehen, die sich als zeitraubend und kostspielig erweisen. So stellt sich die Frage, ob man nicht besser von vornherein dieser Gegebenheit aus dem Wege geht. Ein Weg könnte sein, eine grundsätzlich klare Trennung der Gewerke von Maurer und Zimmermann zu planen.
Klare horizontale Systemfuge
Für diese Situation bietet sich eine prinzipielle Lösung an, die beim Bauen schon immer sehr hilfreich war: die Verknüpfung verschiedener Baustoffe in Form aufwendiger Details lässt sich am ehesten vereinfachen, wenn sie durch eine möglichst klare, systembedingte Fuge voneinander getrennt werden. Deshalb empfiehlt sich im Dachgeschossbau erfahrungsgemäß eine horizontale Teilung der Gewerke über der obersten Geschossdecke. Oberhalb der Decke kann das Dach vollständig in Holzbauweise errichtet werden, also nicht nur der Dachstuhl, sondern auch die Giebelwände, Gauben, Dacherker und Innenwände.
“Der moderne Holzbau trägt nicht nur zur Vereinfachung des gesamten Bauablaufes bei, sondern stellt dem Planer bewährte Systeme wie den Holzrahmenbau oder Holzmassivbau an die Seite”, sagt Martin Mohrmann vom Holzbauzentrum Schleswig-Holstein.
Was den Faktor Zeit betrifft, sind Bauteile aus Holz dem Massivbau überlegen. Eine besondere Stärke des Holzbaus ist der hohe Grad der Vorfertigung der Wand- und Dachelemente im Holzbaubetrieb, also die Produktion unter optimalen Bedingungen ohne Witterungseinflüsse mit trockenen und sauberen Bauprodukten. Hier können die Zimmerer sehr präzise und wirtschaftlich arbeiten, um die Montagezeit auf der Baustelle so kurz wie möglich zu halten. Neben dieser Qualitätssicherung vermeidet der Holzbau Wartezeiten durch Trocknungsprozesse und trägt damit zur deutlichen Verkürzung der Gesamtbauzeit bei. So sind Handwerker und Material nicht länger als unbedingt nötig der Witterung ausgesetzt.
Zudem werden Fehler vermieden, die sich beim Arbeiten bei schlechtem Wetter auf schrägen Dachflächen, Gerüsten oder Leitern schnell einschleichen.
Durch die horizontal klar getrennten Gewerke entfallen unnötige An- und Abfahrten, Rüstzeiten oder der aufwändige provisorische Wetterschutz der Holzkonstruktion. Die Gewerke erfahren deutlich voneinander abgegrenzte Rohbauabnahmen mit der Folge einer für alle Baubeteiligten deutlichen und transparenten Gewährleistung.
Größere Nutzfläche
Da bei Außenelementen im Holzbau meistens die Dämmebene innerhalb der Tragebene liegt, ergeben sich kleinere Konstruktionsflächen als bei anderen Bauweisen mit gleichen Dämmstoffdicken. So lässt sich im Dachgeschoss eine um bis zu zehn Prozent größere Nutzfläche realisieren. Günstig wirkt sich bei der Holzbauweise zudem die geringe Wärmeleitfähigkeit der Tragkonstruktion aus. Klassische Wärmebrücken – etwa beim Anschluss Dach/ Giebelwand – lassen sich durch einfache Holzbaudetails leicht vermeiden.
Geringere Bauteiltoleranzen und die Verwendung technisch getrockneter Schnittholzprodukte, Holzwerkstoffe und Trockenbaustoffe begünstigen die Ausführung der luftdichten Anschlüsse der Holzbauelemente untereinander. Die Gestaltung und Umsetzung eines schlüssigen Luftdichtheitskonzepts fällt erheblich leichter, da die Ausführung und letztlich die Verantwortung für die praktische Umsetzung ausschließlich in der Hand des Holzbauers liegt. Auch für andere Qualitäten wie Schallschutz oder Brandschutz bietet diese Bauart verlässliche Lösungen.
Fazit: Es gibt eine Reihe von guten Gründen, die für eine horizontale Trennung der Gewerke im Dachgeschossbau sprechen. Nicht nur die Vereinfachung des Bauablaufes, sondern auch die technisch ausgereiften Eigenschaften der Bauweise empfehlen eine vollständige Errichtung des Daches in Holz. Und nicht zuletzt besitzen neben technischen, ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen seriell bearbeitete und veredelte Holzprodukte ästhetische und emotionale Eigenschaften wie kein anderes Baumaterial.
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