Barrierefreie Architektur
Alten- und behindertengerechtes Planen und Bauen im 21. Jahruhundert
Barrierefrei zu bauen bedeutet mehr als nur breite Türen und niedrige Lichtschalter einzurichten. Barrierefreiheit ermöglicht eine selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung, es fördert Mobilität und Integration im Zusammenleben aller Alters- und Personengruppen.
Im neuem Buch “Barrierefreie Architektur” präsentieren Joachim Fischer und Philipp Meuser auf 330 Seiten rund fünfzig aktuelle Projektbeispiele anhand von Texten, Fotos, Plänen und Zeichnungen. Sie alle vermitteln eine moderne Formensprache, mit deren Hilfe zeitgemäße Lebensräume für den Menschen geschaffen und gestaltet werden.
Nehmen wir als Beispiel das Ehepaar Deys. Als sie das Grundstück für ihr zukünftiges Domizil kauften, waren beide bereits über 65 Jahre alt. Daher beauftragten sie den Architekten, ein Haus zu entwerfen, dessen Gestaltung auf die Anforderungen an ein Leben im Alter abgestimmt ist. Es sollte so konzipiert sein, dass die Eheleute sich auch bei eingeschränkter Mobilität mühelos in ihren eigenen vier Wänden bewegen können. Durch moderne Technik und ineinander fließende Räume konnten die Wünsche der Bauherren umgesetzt werden.
Der Architekt Paul de Ruiter entwarf ein aus drei unterschiedlich langen „Wohnbändern“ bestehendes Haus. Dank der begrünten Dächer und Seitenfassaden bettet es sich harmonisch in die Landschaft ein. Um die Hanglage auszunutzen, wurde die nach unten orientierte Fassade vollständig verglast. Als außen liegender Sonnenschutz wurden hier aufklappbare Läden mit Zedernholzlamellen angebracht.
Die drei Bänder wurden ihren Funktionen entsprechend parallel zueinander angeordnet. Um spannungsvolle Ein- und Ausblicke zu gewähren sowie den Wechsel zwischen Innen- und Außenraum zu betonen, sind die Riegel gegeneinander verschoben.
Herzstück ist das mittlere Volumen, in dem sich auch der von den Bauherren gewünschte Pool befindet. Dieses schmale Band schließt mit seinen offenen Dielen, dem Eingangsbereich, einer „Orangerie“ sowie einer Terrasse an die Wohnbereiche an. Durch die unterschiedlichen Höhen der Riegel kann der fensterlose Raum des Schwimmbads über schmale Fensterbänder unter der Dachkante natürlich belichtet werden. Das einfallende gedämpfte Licht wird vom Wasser reflektiert, das so zu einer weiteren Lichtquelle für die angrenzenden Wohnräume wird.
Im südlichen Band, mit dem Blick hangabwärts, befindet sich die Wohnebene. Neben dem offenen Wohn- und Essbereich mit Küche wurde noch ein Arbeitsraum eingerichtet. Der nördliche Riegel beherbergt Musik-, Schlaf- sowie ein weiteres Arbeitszimmer und eine Garage.
Sämtliche Schiebetüren lassen sich elektrisch per Fernbedienung öffnen und schließen, unterschiedliche Lichtatmosphären (Lesen, Fernsehen, Candle-Light-Dinner) können ebenfalls mit einer Fernsteuerung eingestellt werden, das Garagentor und die Eingangstür sind elektrisch steuerbar. Und auch die Vorhänge und der außen liegende Sonnenschutz können mit Hilfe der elektronischen Steuerungsanlage reguliert werden.
Die Autoren Joachim Fischer und Philipp Meuser haben mit ihrem Handbuch als Planungshilfe auch ein provokatives Plädoyer für ein barrierefreies Bauen geschaffen, das nicht nur reine Alibifunktion hat. Ein illustrierter Kommentar zur DIN 18025 runden dieses neue Standardwerk ab. “Barrierefreie Architektur, Alten- und behindertengerechtes Planen und Bauen im 21. Jahrhundert” ist als Hardcover mit Gummiband im Verlag DOM publishers erschienen (ISBN 978-3-938666-46-3). Es kostet 78 Euro im Buchhandel.
Foto:DOM publishers