Ankerplatz für Architektenträume
Im September 2006 schrieb die Stadt Hamburg einen Wettbewerb für das Pilotprojekt “Hausboote auf dem Eilbekkanal” aus. Der Wettbewerb richtete sich an Bauherren, die ihr Hausboot hier platzieren wollten. Zusammen mit einem Architekten oder Schiffskonstrukteur konnte man sich mit Neuplanungen, mit geplanten Umbauten oder bereits existierenden Hausbooten bewerben. Der in Aussicht gestellte Gewinn war das Recht auf einen Liegeplatz am Eilbekkanal.
Im Mai 2007 wurden die zehn Gewinner des Wettbewerbs bekannt gegeben. Auch der Entwurf des Hausbootes der Architekten Rost-Niderehe aus Hamburg konnte die Jury überzeugen und wurde daraufhin auf dem Eilbekkanal verwirklicht.
Die Idee war, ein Hausboot zu entwerfen, das im Wesentlichen den Charakter eines Bootes besitzt, dabei aber den Komfort eines herkömmlichen Einfamilienhauses vorweisen kann. Die Formensprache sollte klar und einfach sein. Diese einfache Formensprache spiegelt sich auch im Grundriss und in der Raumbildung der einzelnen Räume wieder.
So entwickeln sich die Räume vom Öffentlichen zum Privaten, mit Hilfe einer einzigen Wand, die sich wie eine Spirale nach innen wickelt und im Kern die privaten Bereiche, Bad und Hauswirtschaftsraum einschließt.
Bei der Materialwahl entschied man sich für Stahl und Holz und damit für typische Materialien aus dem Schiffsbau und aus dem Hochbau. Die Schwierigkeit war sowohl die Gestaltung und Ausstattung der einzelnen Räume als auch die Konstruktion der Anschlüsse an die Versorgungsmedien. Zudem sollte das Obergeschoss abnehmbar konstruiert werden, um das Hausboot für alle Brücken brückengängig zu machen.
Mittlerweile wird auf dem Hausboot gelebt und gearbeitet. Im Obergeschoss sind die “öffentlichen Räume” (Kochen, Essen und Besprechung), unten die Privaträume (Arbeiten, Wohnen und Schlafen). Das 110 m² große Hausboot ist Einfamilienhaus und Büro in einem – mitten in der Stadt und mitten im Grünen.
Und wenn der Wohnort einmal gewechselt werden muss, dann kann das Haus mit umziehen, so der Wunsch der Bewohner. Was noch fehlt sind mehr Liegeplätze. Der Anfang aber ist gemacht: Deutschlands erste Hausbootsiedlung der neuen Hausbootgeneration ist fertig.